Ratgeber

Endlich Ruhe: Ohrstöpsel zum Schlafen

Foto: Eine Frau liegt mit geschlossenen Augen in Dunkelheit. In ihrem Ohr steckt ein Ohrstöpsel.

Ohrstöpsel können ein wahrer Segen für Schlaflose sein. Geräusche aller Art lassen sich damit eliminieren oder zumindest reduzieren. Dafür gibt es, je nach Anwendungsbereich und Frequenz des Störgeräusches, unterschiedliche Arten von Ohrstöpseln. Einige eignen sich zum Schutz vor hohen, andere zum Schutz vor tiefen Frequenzen. Wieder andere Ohrstöpsel riegeln den Gehörgang nahezu komplett ab, während manche Modelle Geräusche einfach nur dämpfen. Den Einstieg bilden preiswerte Einmalprodukte, Maßanfertigungen können mehrere hundert Euro kosten.

Ohropax ist ein Hersteller

Im deutschen Sprachgebrauch wird oftmals der Begriff „Ohropax“ als Deonym für Ohrstöpsel verwendet. Ein Deonym ist ein Markenname, der stellvertretend für eine ganze Produktkategorie steht. Die seit 1907 existierende Firma Ohropax aus Deutschland ist zwar einer der größten und bekanntesten Hersteller für Ohrstöpsel, jedoch bei weitem nicht der einzige.

Vorsicht bei dauerhaftem Gebrauch von Ohrstöpseln

So praktisch Ohrstöpsel auch sein mögen, dauerhaft sollten sie nicht eingesetzt werden. Und wenn, dann nur in Absprache mit einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Auch wer Ohrstöpsel nicht dauerhaft, aber sehr häufig verwendet, sollte alle sechs Monate sein Ohr vom Fachmann untersuchen lassen. Weil die meisten Ohrstöpsel den Gehörgang komplett verschließen und so das Mikro-Klima des Ohrs stören, können sich leichter Pilze bilden und Bakterien vermehren. Auch kann durch häufiges Tragen von Ohrstöpseln die Ohrenschmalzproduktion zunehmen, denn so versucht das Ohr, sich selbst zu reinigen.

Durch den dauerhaften Gebrauch von Ohrstöpseln besteht außerdem die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Denn wer sich erst einmal an den deutlich geringeren Geräuschpegel zum Schlafen gewöhnt hat, reagiert empfindlicher auf Geräusche. Dann können ohne Ohrstöpsel sogar Geräusche als störend empfunden werden, die andere gar nicht wahrnehmen. Eine Entwöhnung ist anschließend zwar wieder möglich, kann unter Umständen aber lange dauern.

Ohrstöpsel gegen Schnarchen, Baustellenlärm oder Musik?

Zunächst gilt es, die persönlichen Anforderungen an die Ohrstöpsel zu definieren. Wer damit vor allem Straßenlärm oder die Schnarchgeräusche des Partners bekämpfen will, benötigt Ohrstöpsel, die tiefe Frequenzen ausschließen. Arbeitet man nachts und hat tagsüber mit dem Lärm einer nahegelegenen Baustelle zu kämpfen, sollten die Ohrstöpsel hohen Frequenzen entgegenwirken. Musik ist dagegen auf nahezu allen Frequenzbereichen vertreten, weshalb hierfür ein Gehörschutz gewählt werden sollte, der einen möglichst umfassenden Frequenzbereich abdeckt.

Bei allen Variationen hat man die Wahl zwischen Ohrstöpseln, die die Umgebungslautstärke nur dämpfen, und solchen, die das Ohr fast komplett von der Außenwelt abriegeln. Letztere klingen verlockend, verhindern unter Umständen aber, dass man Alarmgeräusche wie Wecker oder Feuermelder hört. Auch wer nachts das schreiende Baby hören möchte, sollte nicht zu den effizientesten Ohrstöpseln greifen. Zumal selbst weniger effiziente Ohrstöpsel die Umgebungslautstärke um mindestens zehn Dezibel verringern. Das entspricht einer Lautstärkereduzierung um die Hälfte.

Ohrstöpsel aus Wachs

Ohrstöpsel aus Wachs gehören zu den absoluten Klassikern. Sie bestehen aus einem formbaren Stück Wachs, das von Watte ummantelt ist. Vor der Anwendung wird die Watte entfernt und das Wachs zwischen den Fingern in die gewünschte Form geknetet. Weil sich das Wachs genau an das Ohr anpassen lässt und Wachs keine Rückstellkräfte besitzt, sind diese Ohrstöpsel sehr bequem zu tragen. Zudem dringen die Wachs-Stöpsel nicht sehr tief in den Gehörgang ein, sondern verschließen diesen vielmehr von außen. Sie reduzieren den Geräuschpegel im unteren und oberen Frequenzbereich. Mehr als einmal können sie allerdings nicht verwendet werden. Die meisten Ohrstöpsel aus Wachs sind günstig und in vielen Geschäften verfügbar.

Ohrstöpsel aus Silikon

Foto: Ohrstöpsel aus Silikon in einer Aufbewahrungsbox.

Ohrstöpsel aus Silikon sind in der Anwendung und im Ergebnis den Klassikern aus Wachs sehr ähnlich. Sie schützen sowohl vor hohen als auch tiefen Frequenzen und werden mit den Fingern auf den Gehörgang geknetet. Sie sind also ebenfalls sehr bequem zu tragen. Viele schätzen an Ohrstöpseln aus Silikon, dass im Gegensatz zu Ohrstöpseln aus Wachs beim Kneten keine Wachsrückstände an den Fingern bleiben. Sie sind meist geringfügig teurer als die Vertreter aus Wachs und sind ebenfalls für die einmalige Verwendung vorgesehen. Ohrstöpsel aus Silikon gibt es in gut sortierten Drogerien und Apotheken sowie im Internet.

Ohrstöpsel aus Schaumstoff

Foto: Ohrstöpsel aus Schaumstoff in einer Aufbewahrungsbox.

Ohrstöpsel aus Schaumstoff sind etwas moderner als die Klassiker aus Wachs. Sie werden zwischen zwei Fingern zusammengerollt und in den Gehörgang eingeführt, wo sie sich anschließend ausdehnen. Sie sitzen also etwas tiefer im Ohr. Je nach Modell können sehr hohe Dämmwerte erreicht werden. Der Schaumstoff wird überwiegend aus dem Kunststoff Polyurethan hergestellt, der auch in der Matratzenproduktion, zum Beispiel beim QXSchaum® der BODYGUARD® Matratze, eingesetzt wird. Schaumstoffe aus Polyurethan können eine sehr hohe Rückstellkraft aufweisen, wodurch der Gehörgang gut ausgefüllt und abgedichtet werden kann.

Nachteil des Ganzen: Diese Ohrstöpsel können unangenehme Druckstellen zurücklassen, wenn sie nicht richtig passen. Bis man bequeme Ohrstöpsel aus Schaumstoff gefunden hat, muss man womöglich erst einmal einige ausprobieren. Dafür finden sich Ohrstöpsel aus Schaumstoff zu moderaten Preisen in vielen Geschäften. Üblicherweise können sie ein bis drei Mal verwendet werden, bevor sie entsorgt werden müssen.

Ohrstöpsel aus Kunststoff

Foto: Ohrstöpsel aus Kunststoff in einer Aufbewahrungsbox.Ohrstöpsel aus Kunststoff bestehen meist aus einem dünneren Stift, an dem ringsherum Lamellen angebracht sind. Vorausgesetzt die Ohrstöpsel passen gut, dichten die gummiartigen Lamellen den Gehörgang sehr komfortabel ab. Einige Ohrstöpsel dieser Kategorie besitzen zudem eine kleine Öffnung in der Mitte: Dadurch herrscht ein besseres Klima im Gehörgang und laute Alarmgeräusche dringen noch durch – der Wecker zum Beispiel. Ohrstöpsel aus Kunststoff gibt es in vielen Ausführungen, mit unterschiedlichen Dämmwerten und für verschiedene Frequenzbereiche.

Die meisten Ohrstöpsel aus Kunststoff sind für die mehrmalige Verwendung gedacht. Deshalb lassen sie sich üblicherweise reinigen und desinfizieren. Bei täglichem Gebrauch sollen sie bis zu einem Jahr halten. Diese Ohrstöpsel findet man überwiegend beim Fachhändler, im Internet und vereinzelt auch in Apotheken und Drogerien. Mit fünf bis zwanzig Euro pro Paar sind sie nicht gerade günstig, rechnen sich aufgrund ihrer langen Haltbarkeit aber nach einiger Zeit.

Maßangefertigte Ohrstöpsel

Foto: Eine Hand in Latexhandschuhen steckt zur Fertigung maßgeschneiderter Ohrstöpsel Modelliermasse in das Ohr einer Person,
Hörgeräteakustiker bieten in der Regel auch maßangefertigte Ohrstöpsel an. Vorteil ist die perfekte Passgenauigkeit und die Möglichkeit, die Ohrstöpsel genau auf den gewünschten Frequenzbereich anzupassen. So bieten die Fachhändler Ohrstöpsel an, die wie Hörgeräte mit elektronischen Bauteilen ausgestattet sind. Dadurch kann genau festgelegt werden, welche Frequenzbereiche ab oder bis zu welcher Lautstärke durchgelassen oder blockiert werden sollen. Das alles hat aber seinen Preis: Maßgefertigte Ohrstöpsel gib es ab etwa 100 Euro, elektronische Ohrstöpsel bewegen sich im Bereich von rund 500 Euro.

Störgeräusche sind subjektiv

Welche Geräusche wir als störend empfinden, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Schätzungen zufolge sollen über 90 Prozent aller Menschen einen Tinnitus haben, aber weniger als ein Prozent hören ihn. Denn ein Geräuschfilter in unserem Gehirn ist dazu in der Lage, gewisse Geräusche vollkommen auszublenden. Theoretisch ist dieser Geräuschfilter sehr viel mächtiger als jeder noch so gute Ohrstöpsel. Bewusst steuern können wir diesen Geräuschfilter nicht. Es gibt jedoch die Theorie, dass der Geräuschfilter trainiert werden kann. Immerhin ist es auch möglich, dass wir uns mit der Zeit an Geräusche gewöhnen. Mit autosuggestiven Übungen soll es möglich sein, Geräusche ausblenden zu lernen.