Ratgeber

Kinder im Home-Office: Mit Kettensägen im Orkan jonglieren

Foto: Eine Frau im Schneidersitz schwebt in einer Küche, um sie herum fliegen drei ausgelassene Kinder in einer Art Strudel.

Kinder im Home-Office sind eine Zerreißprobe für Karriere, Familienglück und die eigenen Nerven. Sind beide Elternteile im Home-Office, können sie sich abwechselnd um Kind und Job kümmern. Ein gewisser Lautstärkepegel für den gerade arbeitenden Elternteil ist dabei jedoch nicht zu vermeiden und der heimische Schichtdienst verkürzt auch die partnerschaftliche Zeit. Allein mit Kind im Home-Office verschärft sich die Lage zusätzlich. Aber es gibt Lichtblicke, wie Sie am Ende des Tages ein erträgliches Arbeitspensum ansammeln und die Kinder dennoch gegen Abend halbwegs ausgelastet und ausreichend müde ins Bett fallen, so dass auch ein paar Abendstunden noch produktiv genutzt werden können.

Kinder im Home-Office: Lassen Sie locker

Foto: Ein Mann arbeitet zuhause an einem Laptop, ein Kind sitzt neben ihm, eins springt ihm um den Hals.

Mehrere gesunde Mahlzeiten planen, einkaufen, zubereiten und diese im geselligen Austausch miteinander verbringen. Pädagogisch wertvolles Beschäftigen in liebevoller Zuwendung. Dem kränkelnden Kind vorlesen, Wadenwickel bereiten und fürsorglich die Stirn kühlen. Einen Haushalt in Ordnung halten oder zumindest verhindern, dass sich das komplette Kinderzimmer im Wohn- oder gar Arbeitszimmer materialisiert. Nebenbei noch arbeiten und abliefern wie die Kollegen und nur nicht die Nerven verlieren, wenn alle zwei Minuten ein „Mama!“ oder „Papa!“ ertönt. Sie sind ein Superheld, aber Ihre Kräfte sind begrenzt, also schrauben Sie Ihre Ansprüche runter! Mit Kindern im Home-Office ist Perfektionismus ähnlich zielführend, wie mit Kettensägen im Orkan zu jonglieren, und es fühlt sich ziemlich genauso an.

Ausnahmesituation akzeptieren

Foto: Drei Kinder schauen im Wohnzimmer Fernsehen, im Hintergrund arbeitet eine Frau am Computer

Es ist völlig in Ordnung, wenn in Ausnahmesituationen keine strengen Bildschirmzeiten eingehalten werden. Sie dürfen sogar die Spielkonsole wieder aus dem Keller holen. Am besten eine, die sich kinetisch, also über die Bewegung der Spieler, steuern lässt. So haben die kleinen Familienmitglieder während Ihrer Arbeitsphasen bereits Bewegung. Pommes oder Nudeln ohne Gemüsebeilage dürfen öfter als sonst aufgetischt werden, ohne direkt für bleibende Schäden beim Nachwuchs zu sorgen. Beschränken Sie das Aufräumen aufs Nötigste und schaffen Sie sich ein Echolot an, um die Kinder unter all dem Gerümpel wiederzufinden. Alternativ kann Aufräumen auch als pausenfüllender Wettkampf zwischen Jung und Alt oder Geschwisterkindern gestaltet werden.

Feste Struktur mit vermehrten Pausen

Foto: Eine Person springt auf einem See von einem herausragenden Felsen zum nächsten.

Richten Sie den Tag so ein, als ob Sie über Steine hüpfend einen Ozean überqueren. Es zählt immer der Sprung zum nächsten Stein: konzentrieren, springen, erholen. Erwachsenen fällt konzentriertes Arbeiten über die volle Distanz schon schwer. Ist es da verwunderlich, wenn Kinder diese Fähigkeit nicht auf Kommando abrufen können? Bieten Sie den Kindern überschaubare Zeitfenster einer geistigen Abwesenheit von Mama oder Papa an. So entstehen, über den Tag verteilt, ausreichend Konzentrationsphasen, um jegliche Aufgaben zu erledigen, so dass Sie nicht alles am Stück nacharbeiten müssen, wenn die Kinder im Bett sind. Je eigenständiger das Kind ist, desto länger können Sie Ihre Konzentrationsphasen planen. Verlegen Sie kürzere Arbeiten in die Wachphase des Kindes. Die Nachtruhe oder der Mittagsschlaf der Kinder können für längere Arbeitsphasen genutzt werden. Vergessen Sie dabei nicht die eigene Zeit für Regeneration, denn müde im Homeoffice tun Sie weder sich, Kindern noch dem Job einen Gefallen.

Sinnhafte Pausenfüller

Legen Sie gemeinsam mit Ihrer Familie eine Pausenreihenfolge fest. Ein guter Mix macht es: beispielsweise eine Frühsportpause, Mittagspause mit gemeinsamer Zubereitung, erfinderische Bastelpausen, Spielpausen und zum Feierabend gemeinsam eine Runde spazieren, um den Tag rauszulaufen. Wer mag, kann auf kreativ gestalteten Planungstafeln oder auf einer bunten Pausenuhr die Aktivitäten veranschaulichen.

Foto: Mutter und Kind sitzen vor einem Wochenplan, der an der Wand hängt, das Kind zeigt darauf.

Eine solch transparente Tagesstruktur gibt vielen Kindern Sicherheit und lässt die Zeit des Wartens und des Alleinspielens ruhiger überstehen. Sowohl körperliche als auch geistige Anstrengung hilft Kindern, am Abend ausreichend müde zu werden. Sie müssen also nicht jede Pause toben oder spazieren gehen. Auch Lernen, Hausaufgabenhilfe, konzentriertes Malen oder Basteln kann unglaublich kräftezehrend für die Kleinen sein.

Stellen Sie für jeden Phasenwechsel, also Arbeitsbeginn und Pausenbeginn, einen Wecker und halten Sie sich an das Wecksignal. So erhält der Wecker auch für die Kinder eine eigene Autorität, was Diskussionen über Pausenverlängerung oder Arbeitsverkürzung reduziert. Der Missmut über Spielunterbrechungen trifft Sie dann nicht direkt, sondern wird auf den Wecker projiziert. Feste Pausen- und Arbeitszeiten lassen sich auch den Kollegen leichter kommunizieren und Sie bleiben halbwegs erreichbar, planbar und zuverlässig.

Nicht stressen lassen

Foto: ein Tau, das kurz vorm Zerreißen ist

So nervig es sein kann, bleiben Sie ansprechbar. Und ja, es kann passieren, dass Sie unter Druck in einen ungerecht harschen Ton verfallen. Sie wissen, es ist nicht okay, lassen Sie es auch den Nachwuchs wissen und versuchen Sie, sich zu erklären. Vielleicht finden Sie weitere gemeinsame Strategien und Absprachen, damit Ihr Geduldsfaden nicht zur Zündschnur wird. Denken Sie immer dran, Kollegen im Büro können auf ganz andere Art nerven, aber die hat man in den meisten Fällen nicht so lieb und das Altersheim suchen sie Ihnen auch nicht aus.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...