Reduzierte Preise sollen dich zum Kaufen locken. Oft ist der Rabatt dabei wenig transparent. Werden Rabatte als reine Marketingmasche genutzt, sind sie nicht immer so vorteilhaft, wie sie zu sein scheinen.
Gibt es Rabatte, die echten Spareffekt haben? Verschleiert ein Preisnachlass den eigentlichen Preis oder ist er ein wirkliches Entgegenkommen an die Kundschaft? Wir haben für dich die gängigsten Arten des Rabatts unter die Lupe genommen.
Neukundenrabatt – die Abfuhr an langjährige Treue

Den Neukundenrabatt nutzen Unternehmen zur Gewinnung von Kundschaft. Die Kaufbelohnung steht damit am Anfang deiner Beziehung zum Unternehmen, pflegt euer Verhältnis aber nicht langfristig. Treue Kundschaft ist bei dieser Prämie außen vor. Das führt besonders bei langfristigen Verträgen zu einer großen Wanderbewegung der Kundschaft. Besonders beliebt bei diesen jährlichem bis zweijährlichem Wechsel sind Telefon- und Internetverträge. Hier existieren zahlreiche Plattformen, um dich nach Ablauf der Vertragsfrist an den Wechsel zu erinnern und dir direkt einen anderen günstigen Anbieter mit Neukundenrabatt zu suchen. Liegt der Fokus ausschließlich auf der Akquise und nicht auf der Beziehungspflege, kannst du bereits vor Kauf oder Vertragsabschluss auf den Service im Allgemeinen schließen. Plant ein Unternehmen nicht langfristig mit seiner Kundschaft, braucht es sie auch nicht wie Könige zu behandeln.
Außerhalb langfristiger Verträge ist der Neukunden-Rabatt oft ein Lockmittel. Deine Bestandskundendaten werden bei punktuellen Verkäufen nicht wirklich abgeglichen und der Rabatt willkürlich an alle vergeben. Bei größeren Anschaffungen, die eher selten anstehen, gehören nahezu alle zur neuen Kundschaft. Bei solchen Dingen findest du oft dauerhafte Neukunden-Rabatte, die den eigentlichen Kaufpreis einfach nur verschleiern, indem sie den tatsächlichen Preis durch den bereits eingerechneten Rabatt attraktiver darstellen.
Treuerabatt – Rabatt zur Kundenbindung

Rabatt für Bestandskunden, sogenannter Treuerabatt, dient dazu, dich langfristig zu binden. Der Treue-Rabatt kann dir auf unterschiedliche Arten begegnen:
Dauerhafter Rabatt für Bestandskunden
Manche Unternehmen bieten ihre Produkte für Menschen, die mehrfach und häufiger kaufen, durchweg günstiger an. Das wird häufig nicht offen kommuniziert, sondern mit einem beigelegtem Prozentgutschein für deinen nächsten Einkauf in jeder Warensendung indirekt praktiziert. Die Gutscheine haben zudem ein Ablaufdatum, damit du motiviert bist, bald wieder Geld auszugeben. Schließlich sparst du ja dabei. Als Neukunde fühlt sich so ein Gutschein nach dem ersten Kauf im Paket gar nicht mal so gut an. Es ist, als hättest du einen einmalig höheren Erstkaufpreis, eine Art Eintrittsgeld in den (nicht ganz so) exklusiven Kreis der Bestandskundschaft gezahlt.
Rabattaktionen für Bestandskunden
Zeitweiser Rabatt für Bestandkunden dient der Reaktivierung deiner Kauftätigkeit. Das Zeitfenster für diesen Rabatt ist oft stark begrenzt, um dich zu unüberlegten Spontankäufen zu animieren.
Rabatte für Neukunden und Bestandskunden
Ab und an werden Rabatte für neue und bestehende Kundschaft angeboten, oft sogar in gleicher Höhe. Treten solche Rabattaktionen häufiger auf, liegt es nahe, dass der Nachlass ein reines Marketinginstrument ist, das dir den tatsächlichen Kaufpreis lediglich schmackhafter machen soll. Der scheinbar hohe Preis wird nahezu nie wirklich angeboten. Der Rabatt ist damit fast ein fiktiver Streichpreis.
Mitarbeiterrabatt

Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden unternehmenseigene Waren und Dienstleistungen rabattiert an. Dieser Mitarbeiterrabatt dient einerseits der Bindung ans Unternehmen oder auch der Gewinnung neuer, qualifizierter Personen. Der Rabatt beschränkt sich damit auf einen ausgewählten Teil der Kundschaft. Die Mitarbeitenden profitieren hier allerdings von einer tatsächlichen Ersparnis. In der Regel haben die Menschen, die in einem Unternehmen arbeiten, zudem das entsprechende Fachwissen, unternehmenseigene Produkte qualitativ einschätzen zu können und sich reflektiert für oder gegen den Kauf zu entscheiden.
Mengenrabatt

Der Mengenrabatt ist eine Art Staffelrabatt. Je größer die abgenommene Menge, desto mehr Spielraum beim Preis. Kritisch betrachtet, beeinträchtigt der Mengenrabatt daher die faire Konkurrenz zwischen kleinen und mittelständischen Unternehmen gegenüber Großkonzernen.
Für Otto und Lisa Normalverbraucher:in ist der Mengenrabatt in der Regel uninteressant. Du kannst höchstens bei niedrigpreisigen Produkten profitieren, wenn du daheim genug Platz und langfristig wirklich einen erhöhten Bedarf für bestimmte Produkte hast. Trotzdem ist die Annahme, wer mehr kauft, zahlt weniger, fest in uns verankert. Das macht sich vor allem die Lebensmittelbranche mit Familienpackungen zunutze. Auch beim Kleidungskauf begegnest du ab und an Aktionen wie „Kauf 3, zahl 2“. Aber Achtung: Nicht immer sind Großpackungen und Mengenrabatte tatsächlich günstiger. Achte bei Lebensmitteln immer auf den Stückpreis oder den Preis pro Kilo. Vergleiche auch im Supermarkt deines Vertrauens die Waren des täglichen Bedarfs.
Bedenke: Kaufst du mehr als du brauchst, nur weil es billiger erscheint, zahlst du drauf. Überlege immer, ob sich der zusätzliche Kauf unnötiger Produkte wirklich lohnt. Der Klassiker: das nie genutzte Füllprodukt zum Erreichen eines Betrags, der dir die Versandkosten erspart. Oder das zusätzliche Paket Obst, das im Kühlschrank schimmelt, bevor du es essen kannst.
Saisonrabatt

Wenn du entgegen zeitlicher Trends kaufst, kannst du auf Preisnachlass hoffen. Bei Saisonware passt sich der Preis der Nachfrage an. Entsprechende Güter sind in der Zeit des akuten Bedarfs teurer als in der Nebensaison. Sobald das Interesse nachlässt, hat der Handel die Wahl: Sie können haltbare Dinge zwar bis zur nächsten Saison einlagern, aber Lagerplatz ist ein Kostenfaktor. Zudem altern auch unverderbliche Artikel ungünstig, besonders Technik und Mode. So kannst du von saisonspezifischen Preissenkungen profitieren.
Gerade bei Technik ist es Abwägungssache. Kaufst du hier mit Saisonrabatt, riskierst du, veraltete Geräte zu erwerben, die schlimmstenfalls in absehbarer Zeit nicht mehr durch Software-Updates unterstützt werden. An dem Schnäppchen hast du so keine langlebige Freude und es wird schnell zum Ärgernis. Bei Geräten, die erfahrungsgemäß eine längere Zeit bis zur neuen Version benötigen, lohnt sich das Warten bis der erste Run auf das neue Modell abgeklungen ist hingegen. Der bekannteste Unterschied liegt hierbei etwa in der Anschaffung zwischen PC und Konsole.
Gut zu wissen: Seit der Reformierung des Gesetzes zum unlauteren Wettbewerb im Juli 2004 können Schlussverkäufe beliebig oft im Jahr und auch bezogen auf nicht saisonabhängige Waren durchgeführt werden, statt wie zuvor zweimal im Jahr und unter Beachtung der Warenklasse. Diese Neuregelung nutzt der Handel häufig, um damit verbundene Preissenkungen zu suggerieren, wie etwa über die beliebten „Alles-muss-raus“-Schilder in Schaufenstern.
Rabatt oder faire Preiskalkulation?
Das eine schließt das andere nicht aus. Eine faire Preiskalkulation ist die Grundlage, um auch bei Rabatten keine Augenwischerei zu betreiben und alle Kaufenden im Blick zu haben. Transparenz in Preisgestaltung und Rabattkalkulation sollte sich daher nicht ausschließen, sondern ergänzen.



