Schlafgeschichten

Macht Vollmond Schlaf unmöglich?

Vollmond-Schlaf: ein heulender Wolf vor einem dunklen Nachthimmel mit großem Vollmond

Für manche Menschen ist es nahezu unmöglich, bei Vollmond Schlaf zu finden. Sie klagen darüber, lange zum Einschlafen zu brauchen und in der Nacht oft aufzuwachen. Andere fühlen sich vom Mond überhaupt nicht gestört. Aber handelt es sich wirklich nur um eine subjektive Empfindung oder steckt mehr dahinter?

Wann ist Vollmond?

Vollmond nennen wir den Himmelskörper, wenn er von der Sonne komplett angeschienen zu sein scheint, also eine leuchtende Kugel am Nachthimmel bildet. Das passiert immer dann, wenn sich Sonne und Mond gegenüberstehen, während die Erde sich fast auf gerader Linie zwischen ihnen befindet. Etwa alle 30 Tage ist das der Fall.

Eine Illustration zeigt, wie Sonne, Erde und Mond zueinander stehen müssen, damit Vollmond oder Neumond entstehen.

Vollmond-Schlaf: Mehr (Mond-)Schein als Sein

Eine klare Meinung gibt es unter Wissenschaftlern nicht zum Thema schlecht schlafen bei Vollmond. Es kursieren Studien, die spezifische Schlafstörungen bei Vollmond erkannt haben wollen. Die Erhebung und Auswertung dieser Studien lassen nach heutigem wissenschaftlichem Standard allerdings Zweifel aufkommen. Seriöse Studien mit einer ausreichenden Probandenzahl zeigen jedenfalls keinerlei Verbindung in puncto Vollmond-Schlaf.

Wahrscheinlicher als die Macht des Mondes ist die Kraft der Psyche. Diese spielt bei Schlafstörungen ohnehin eine große Rolle. Wenn ich also vorher schon weiß, dass Vollmond ist, und um meinen Schlaf bange, kann ich mir das Einschlafen selbst schwermachen. Der Mond funktioniert dann wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Aber auch andersrum wird ein Schuh draus: Wenn ich schlaflos im Bett liege und den Vollmond am Nachthimmel sehe, scheint der Fall klar. Ähnlich verhält es sich am Freitag, den Dreizehnten. Baue ich an diesem Tag einen Unfall, werde ich mir das Datum eher merken als an einem beliebigen anderen Tag. Menschen suchen nach Erklärungen. Doch auch wenn das Naheliegende oft zutrifft, beim Vollmond ist das nach aktuellem Wissensstand nicht der Fall.

Foto: Ein dunkles Schlafzimmer, im geöffneten Fenster ist der Vollmond beim Vollmond-Schlaf am Nachthimmel zu sehen.

Licht als Wachmachfaktor ausschließen

Auch wenn der Vollmond Schlaf vielleicht nicht per se unmöglich macht, so ist es unbestritten, dass Licht einen Einfluss auf unseren Schlaf hat. Denn Helligkeit in der Nacht bringt unseren Hormonhaushalt durcheinander. Erhöhte Lichtintensität hemmt die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das dafür zuständig ist, uns müde zu machen. Zeitgleich wird die Serotonin-Ausschüttung durch Helligkeit angeregt und das belebende Wachmacher-Hormon stört zusätzlich beim Einschlafen. Macht der Vollmond die Nacht zum Tag, kann das für manche Menschen schon ausreichen, um aufzuwachen oder gar nicht erst einschlafen zu können. Schließlich scheint das reflektierte Sonnenlicht bei Vollmond rund 250 Mal so hell wie ein sternenklarer Nachthimmel.

Foto: eine heruntergelassene Jalousie während dem Vollmond-Schlaf

Wer auf Helligkeit mit Schlafproblemen reagiert, kann das Mondlicht mit stark abdunkelnden Rollos oder einer Schlafmaske ausschließen. Aber ganz gleich, welche Ursache man sich selbst diagnostiziert: Wer über einen längeren Zeitraum unter Schlafstörungen leidet, sollte einen Arzt oder auch direkt ein Schlaflabor aufsuchen.

Von Mondsüchtigen und Werwölfen

Illustration: ein Werwolf mit Sonnenbrille, am Himmel der VollmondFrüher war die Bezeichnung mondsüchtig eine gängige Beschreibung für Menschen, die gelegentlich beim Vollmond-Schlaf schlafwandeln. Das rührt daher, dass Lichtquellen auf schlafwandelnde Menschen eine besondere Faszination ausüben. Dazu zählt nachts natürlich vor allem der Mond.

 

Ein weiterer Mythos, der sich um den Mond rankt, ist die Verbindung mit Werwölfen. Es wird erzählt, dass Menschen sich bei Mondlicht zu einem wolfsartigen Ungetüm verwandeln. In anderen Erzählungen wiederum schadet Mondlicht Werwölfen. Mond hin oder her, heute wird angenommen, dass das Phänomen oft auf Erkrankungen, wie Tollwut oder Lupus, sowie auf Psychosen zurückzuführen war. Die Symptome decken sich mit den Beschreibungen der Werwölfe.

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