Glossar

Inkontinenzauflage – mehr Sicherheit in der Nacht

Illustration: Bettgestell mit Matratze, darauf liegt eine Inkontinenzauflage.

Eine Inkontinenzauflage ist eine Matratzenauflage, die Flüssigkeiten sicher aufnimmt, Geruchsbildung vermindert und ein Durchdringen der Feuchtigkeit zur Matratze verhindert. Für von Inkontinenz Betroffene ist eine solche saugfähige Unterlage besonders hilfreich, um gut schlafen zu können. Die Inkontinenzauflage gibt wie andere Produkte zur Inkontinenzversorgung ein sicheres Gefühl und steigert die Lebensqualität der Betroffenen.

Was ist Inkontinenz?

Foto: Auf einem Schreibtisch liegen medizinische Utensilien. In den Händen eines Arztes befindet sich das Modell einer Harnblase.

In der Medizin bezeichnet der Begriff Kontinenz das Vermögen, seinen Stuhlgang und seine Blasenentleerung bewusst kontrollieren zu können. Ist das Gegenteil der Fall, sprechen Mediziner von Inkontinenz. Unterteilt wird die Inkontinenz in Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz. Unter Harninkontinenz versteht man den unkontrollierten Urinverlust. Entsprechend handelt es sich bei fehlender Kontrolle über den Schließmuskel um Stuhlinkontinenz.

Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft sind über neun Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Die Unfähigkeit, seine Stuhl- und Harnausscheidungen zurückzuhalten, tritt überwiegend bei älteren Menschen auf. Aber auch viele Frauen erkranken insbesondere nach einer Geburt an Harninkontinenz. Neugeborene lernen im Kleinkindalter, ihren Stuhlgang und Harndrang zu kontrollieren. Dennoch haben etwa drei Prozent der Kinder über das 18. Lebensjahr hinaus Enuresis, eine Art der Harninkontinenz, und nässen regelmäßig nachts ein. Die Ursachen für das Bettnässen bei Kindern sind mehrheitlich physisch begründet und nicht, wie früher oft angenommen, psychisch.

Die Inkontinenzauflage – nicht nur ein Schutz für die Matratze

Foto: Auf einer Inkontinenzauflage ist ein Glas mit blauer Flüssigkeit umgekippt. Die Inkontinenzunterlage ist teilweise blau verfärbt.

Auflagen zur Inkontinenzversorgung bestehen aus einer oberen Schicht, die Feuchtigkeit aufnimmt, und einer unteren Schicht, die das Durchnässen verhindert. Die Inkontinenzauflage wird auf die Matratze gelegt und schützt diese vor Verunreinigung. Doch solche Bettauflagen können mehr: Sie schützen in erster Linie den darauf liegenden Menschen. Die auftreffende Feuchtigkeit wird gebunden und eingeschlossen, um keine Gerüche entstehen zu lassen und den Kontakt der Haut mit Feuchtigkeit auf ein Minimum zu reduzieren. Betroffene haben die Sicherheit, in der Nacht entspannt schlafen zu können. Aber Vorsicht: Das Aufnahmevermögen an Flüssigkeit ist begrenzt. Besonders bei älteren Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder bettlägerigen Menschen sollte die Inkontinenzauflage je nach Bedarf mehrmals in der Nacht gewechselt werden. Anderenfalls drohen schwerwiegende Hautschäden auf Grund von Bakterienbesiedlung oder Schimmel. Auch das Risiko von Dekubitusgeschwüren steigt aufgrund der Nässe.

Für wen sind Inkontinenzauflagen geeignet?

In der Alten- und Krankenpflege werden Inkontinenzauflagen regelmäßig eingesetzt. Man findet solche Auflagen aber auch im privaten Bereich. In Kinder- und Seniorenbetten liegen häufig solche saugfähigen Unterlagen. Aber auch unabhängig vom Alter nutzen viele Menschen mit nächtlicher Blasenschwäche eine Inkontinenzauflage für ihr Bett. Babys und Kleinkinder, bei denen das Einnässen völlig normal ist, liegen häufig auf Wickelunterlagen, wenn sie eine frische Windel bekommen. Wickelunterlagen sind prinzipiell identisch mit Inkontinenzunterlagen.

Foto: Ein Hund mit Windel.

In der Krankenpflege von Tieren werden ebenfalls Inkontinenzauflagen verwendet. Von diesen sogenannten Tierunterlagen profitieren auch Heimtierhalter, die mit ihrem Hund oder anderen Haustieren gemeinsam in einem Bett schlafen. Denn auch Tiere können an Inkontinenz erkranken und nachts unbeabsichtigt ins Bett nässen.

Varianten der Inkontinenzauflage

Inkontinenzunterlagen lassen sich in zwei Gebrauchsformen unterteilen. Für die kurzfristige Inkontinenzversorgung oder bei hohen Anforderungen an die Hygiene kommen in der Regel Unterlagen für den einmaligen Gebrauch, sogenannte Einwegunterlagen, zum Einsatz. Für alle anderen Anwendungsfälle bieten sich aus finanzieller und ökologischer Sicht wiederverwendbare Inkontinenzauflagen an. Diese meist aus Baumwolle gefertigten Bettauflagen sind aus hygienischen Gründen in der Waschmaschine bei 95 °C waschbar.

Mehrweg-Inkontinenzauflagen setzen sich aus mehreren Schichten zusammen. Die Oberseite besteht aus Molton, einem aufgerauten und daher sehr saugfähigen Baumwollgewebe, das zum Schutz vor Durchnässen auf der Unterseite mit einem wasserdichten Kunststoffüberzug versehen ist. Einweg-Inkontinenzauflagen bestehen aus einem wasserdurchlässigen Vlies auf der Oberseite. Im Kern befindet sich saugfähiger Zellstoff. Die Unterseite ist mit einer feuchtigkeitsundurchlässigen Kunststofffolie beschichtet.

Foto: Inkontinenzauflage an einer Ecke geöffnet. Durchlässiges Obermaterial, saugfähige Zellstoffschicht und undurchlässiges Untermaterial sind zu erkennen.

Inkontinenzauflagen sind in unterschiedlichen Größen erhältlich. Als Sitzauflage oder für Kinderbetten ab 40 x 40 cm bis hin zu Auflagen für Doppelbetten mit 200 x 200 cm Größe. Wiederverwendbare Inkontinenzauflagen in Matratzengröße gibt es zudem als Spannbettlaken oder mit Gummibändern an den Ecken, um sie auf der Matratze zu fixieren wie Matratzenschoner oder Topper.

Unter dem Begriff Inkontinenzauflage werden auch Matratzenschutzlaken angeboten. Wie die Bezeichnung nahelegt, verhindern diese Laken das Durchdringen von Flüssigkeit zur Matratze. Saugfähig sind solche Kunststofflaken allerdings nicht, daher eignen sie sich nur bedingt zur Inkontinenzversorgung.

Alternativen zur Inkontinenzauflage

Foto: Eine ältere Frau betrachtet Schutzunterwäsche in ihren Händen haltend.

Inkontinenzauflagen werden im Bett oft gemeinsam mit Vorlagen oder Schutzunterwäsche, im Volksmund abfällig auch Seniorenwindel genannt, benutzt. Bei einer schwach ausgeprägten Inkontinenz reichen Schutzunterwäsche, Inkontinenzslips oder Vorlagen aus. Kondom-Urinale oder Analtampons sind weitere Hilfsmittel, die einen Verzicht auf eine Inkontinenzauflage ermöglichen.

Inkontinenz – ein Tabuthema?

Die häufigste Form der Inkontinenz, die Harninkontinenz, betrifft nicht nur ältere Menschen. Frauen und Männer jeden Alters können an Blasenschwäche erkranken. Mit zunehmendem Alter steigt zudem das Risiko der Blasenschwäche. Überwiegend Frauen leiden daran, besonders nach einer Geburt. Oft hat ein Lachen oder Niesen den Abgang von Harn zur Folge, ohne dass sich der Drang zur Toilette bemerkbar macht. Obwohl Harninkontinenz in den meisten Fällen heilbar ist, gehen nur wenige Betroffene zum Arzt. Dabei ist die Gefahr groß, dass die Harninkontinenz schleichend den Alltag bestimmt. Viele Betroffene verlassen, gehemmt von der Blasenschwäche, selten die Wohnung. Offen darüber zu reden, trauen sich die wenigsten. Man schämt sich, obwohl man nichts dafür kann. Im schlimmsten Fall führt die Inkontinenz zur sozialen Isolation – oft begleitet von Depressionen.

Foto: Ein Arzt hält die Hand eines Patienten.

Je nach Art und Ausprägung der Inkontinenz können Sport, Verhaltenstherapien, Gewichtsreduktion, Medikamente oder in schweren Fällen eine Operation helfen. Die Belastungsinkontinenz bei Frauen lässt sich durch Training der Beckenbodenmuskulatur in vielen Fällen kurieren. Auch die Harndrang-Inkontinenz, verursacht durch einen sensiblen Blasenmuskel, kann beispielsweise durch Kontinenz-Training behandelt werden. Das Ziel ist, den Zeitraum zwischen den Blasenentleerungen zu verlängern. Auf das Tragen von Schutzunterwäsche und die Verwendung einer Inkontinenzauflage im Bett kann dann meist verzichtet werden. Der Gewinn an Lebensqualität ist enorm, daher sollten Betroffene nicht schweigen und sich einem Facharzt anvertrauen.

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