Ratgeber

Klartraum – Luzides Träumen lernen

Eine Person steht auf einem Steg ins Meer. Sie hält ein so Bild vor sich, dass nur Hut, Hände und Beine der Person hinter dem Bild sichtbar sind. Auf dem Bild ist die gleiche Szenerie abgebildet, so dass sich der Blick von Steg, verdeckter Person und Wasser in unendliche wiederholt.

Was ist luzides Träumen?

Beim luziden Träumen ist sich der Träumer bewusst, gerade zu träumen. Mit ein wenig Übung kann er den Trauminhalt bewusst steuern. Wegen dieser Klarheit über den Traumzustand wird luzides Träumen auch Klartraum genannt. Der Begriff „luzides Träumen“ ist abgeleitet vom lateinischen Wort „lux“ für „Licht“. Diese Art des bewussten Träumens können Sie trainieren. Dazu gibt es verschiedene Techniken, die Sie in einen Klartraum versetzen, beziehungsweise Ihnen den Traumzustand bewusstmachen. Menschen, die luzides Träumen aktiv anwenden, nennen sich Oneironauten. Eine Kombination aus den griechischen Wörtern „oneiros“ – „Traum“ und „nautes“ – Seefahrer. Oneironauten befahren demnach die Wellen ihrer eigenen Träume, sind also Traumreisende.

Ein Papierschiff segelt auf einem Ozean. Auf dem Segel sitzt ein Papagei. Am Bug des Schiffes steht eine Person mit Strohhut und Fernrohr, die an den vernebelten Horizont blickt.
Luzides Träumen – wozu soll das gut sein?

Im Vordergrund stehen für die meisten Oneironauten die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten. Im Traum sind die Möglichkeiten unbegrenzt. Besonders beliebt ist der sprichwörtliche Traum vom Fliegen. Doch auch gemeinsame Zeit mit dem unerreichbaren Schwarm oder einem verlorenen, geliebten Menschen gehören zu den häufigsten Zielen im Klartraum. Völlig in Ordnung, solange luzides Träumen ein spannendes Hobby bleibt und keine Flucht vor der Realität darstellt.

Wer unter Alpträumen leidet, profitiert davon, luzides Träumen zu erlernen. Alpträume und Nachtschrecken können bewusst zum Guten gewendet werden. Ängste im Traum überwunden und sogar bearbeitet werden.

Techniken, um luzides Träumen zu erlernen

Ein Elefant sitzt auf dem Ast eines kahlen Baumes. Er blickt dem Betrachter abgewandt in den wolkenlosen Himmel.

Für das Hervorrufen der Klarträume existieren unterschiedliche Methoden. Die drei bekanntesten Herangehensweisen an luzides Träumen stellen wir Ihnen kurz vor:

Klartraum-Methode 1: Reality Check

Kontrollieren Sie sich und Ihre Umgebung täglich mehrfach im Wachzustand auf unrealistische Wahrnehmungen. So soll der präfrontale Cortex, der für die kritische Bewertung von Ereignissen und die Selbstwahrnehmung zuständig ist, trainiert und auch im Traumzustand aktiviert werden. Problematisch ist, dass wir im Traum eher dazu neigen, unlogische Wahrnehmungen als gegeben hinzunehmen. Es wird zwischen körperlichen und Realitätschecks der Umgebung unterschieden.

Körper-Realitätschecks:

  • Atemcheck: Gelingt Ihnen das Atmen bei geschlossenem Mund und geschlossener Nase?
  • Fingercheck: Stimmt die Anzahl Ihrer Finger oder lassen sie sich überhaupt zählen?
  • Gliedmaßencheck: Können Sie durch Ihre Handflächen fassen, Ihre Finger in ungeahnte Längen ziehen oder biegen?
  • Drehcheck: Drehen Sie sich um die eigene Achse und überprüfen Sie, ob Sie sich anschließend an einem anderen Ort befinden.

Realitätschecks der Umgebung:

  • Farbcheck: Benennen Sie die Farben der näheren Umgebung. Können Sie alle zuordnen oder sind irreale Farben darunter?
  • Ziffern-/Buchstabencheck: Verändern sich Texte oder Uhrzeiten beim erneuten Hinschauen? Sind Zeitangaben oder Worte sinnvoll lesbar?
  • Schwerkraftcheck: Verhalten sich Gegenstände im Fall physikalisch korrekt? Können Sie Dinge unmöglich weit oder gar nicht werfen?
  • Check von Personen oder Orten: Erscheinen Orte oder Personen real oder zusammengesetzt aus unterschiedlichen Erinnerungen? Wie sind Sie an diesen Ort gekommen? Tauchte die Person aus dem Nichts auf?
  • Durchlässigkeitscheck: Können Sie durch Gegenstände greifen oder hindurchgehen?
Tipp:
Der Reality Check ist die bekannteste Methode für luzides Träumen. Ausschließlich angewandt, sind Realitätschecks für luzides Träumen jedoch am wenigsten wirksam. In Kombination mit den anderen Methoden lässt sich das Klartraum-Potenzial allerdings innerhalb weniger Tage verdoppeln.

Klartraum-Methode 2: WBTB – Wake Back To Bed

Eine alte Uhr hängt aus dem Nichts an einem Seil herab. Im Hintergrund erstrecken sich Wolken herab bis zu einem mit großen Steinplatten gesäumten Boden.

Die sogenannte „Wake back to bed”-Methode, zu Deutsch „Aufwachen und zurück ins Bett“-Methode, schnitt in wissenschaftlichen Studien am besten ab. Um sie anzuwenden, stellen Sie sich den Wecker auf vier bis sechs Stunden nach dem Einschlafen. Anschließend bleiben Sie zwischen fünf Minuten und anderthalb Stunden wach. Beim Wiedereinschlafen ist die Wahrscheinlichkeit, sofort in eine REM-Schlafphase zu verfallen, besonders hoch. Aufgrund der geringen zeitlichen Distanz zwischen Schlaf- und Wachzustand kommt es eher zu einer Erkenntnis über die eigene Traumaktivität.

Tipp:
Experimentieren Sie mit den Schlaf- und Wachzeiten. Bleiben Sie zwischen Aufwachen und erneutem Einschlafen zu lange wach, beginnt ein komplett neuer Schlafphasenzyklus und Sie erreichen nicht sofort die REM-Phase.

Klartraum-Methode 3: Mnemonische Induktion eines Klartraums

In einer Gebirgslandschaft steht ein einzelner Baum. Sein Blattwerk schwebt losgelöst von den Zweigen über ihm.

Der Mnemonischen Induktion liegt die Mnemotechnik, zu Deutsch „Gedächtniskunst“, zugrunde. Mnemotechniken umfassen Merkhilfen, wie Eselsbrücken, Reime, Grafiken oder die Loci-Methode. Mithilfe der Mnemonischen Induktion trainieren wir unser Gedächtnis mittels Autosuggestion auf die Herbeiführung eines bewussten Traumzustandes. Das Verfahren entwickelte der amerikanische Psychologe Stephen LaBerge, der zum ersten Mal die Existenz von luziden Träumen wissenschaftlich nachwies. Die Methode gliedert sich in vier Schritte:

  1. Erwachen Sie aus einem Traum, versuchen Sie, diesen möglichst detailgetreu zu erinnern.
  2. Legen Sie eine geeignete Stelle im Traum fest und kehren Sie dorthin zurück.
  3. Wiederholen Sie beim Hinabgleiten in den Traumzustand das Mantra: „Wenn ich träume, will ich das Träumen als solches erkennen.“
  4. Wiederholen Sie Traumerinnerung, Mantra und Zielsetzung so lange, bis Sie erfolgreich sind.

Quelle: Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein, Robert Waggoner & Caroline McCready

Tipp:
Besonders effektiv ist das Zusammenspiel mit der „Wake back to bed“-Methode. Testpersonen, die innerhalb von fünf Minuten nach dem nächtlichen Aufwachen und Aufsagen des Mantras „Ich werde mich erinnern zu träumen“ wieder einschliefen, konnten eine enorme Steigerung ihrer Klarträume verzeichnen. Mnemonische Induktion funktioniert desto zuverlässiger, je länger Sie trainieren. Die Methode kann sowohl im Wachzustand zur Herbeiführung luzider Träume als auch im Klartraum selbst zur Beeinflussung des Traumgeschehens genutzt werden.

Funktionalität und Zusammenspiel aller Methoden für luzides Träumen

Im September 2017 veröffentlichten australische Forscher der Universität Adelaide im Fachblatt „Dreaming“ eine Studie zur Wirksamkeit der Klartraum-Techniken. Dabei stellten sie fest, dass alle drei Techniken im Zusammenspiel den größten Erfolg garantierten. Innerhalb von zwei Wochen hatte in dieser Untersuchungsgruppe mehr als jeder zweite Teilnehmer mindestens ein Klartraumerlebnis. Untersuchungsgruppen von Menschen, die bereits Klartraum-Erfahrungen hatten und Menschen, die laut eigener Aussage ohne Vorerfahrung waren, unterschieden sich nach diesem Testzeitraum in Training und Praxis bereits nicht mehr. In beiden Gruppen trat luzides Träumen verstärkt auf.

Bei den Versuchsgruppen, die jeweils nur eine einzelne Technik für luzides Träumen nutzten, fielen die Ergebnisse sehr unterschiedlich aus. Hier schnitt die „Wake back to bed“-Methode mit Abstand am besten ab. Die Reality Checks hingegen erzielten einzeln angewandt keinerlei Wirkung. Die Mnemonische Induktion begünstigte luzides Träumen, vor allem nach zufälligem Erwachen in der Nacht.

Technische Hilfsmittel für luzides Träumen

Die Optimierung unseres Lebens durch technische Hilfsmittel ist ein Phänomen unserer Zeit. Fitnesstracker mit integrierter Schlafüberwachung und Tageslichtwecker sind die wohl am weitesten verbreiteten Gadgets zur Schlafkontrolle. Luzides Träumen ist aus technischer Sicht ebenfalls interessant. Auf dem Gebiet werden Geräte entwickelt, die den Schläfer mit Lichtimpulsen, Vibration oder akustischen Signalen in der REM-Phase erreichen sollen. Für diesen Zweck bieten sich elektronisch aufgerüstete Schlafbrillen, wie etwa durch das Neuroon Open Projekt konzipiert, an. Die ausgesendeten Signale sollen dem Gehirn eine Brücke von der Realität in die Traumwelt bieten. Sie ermöglichen dem Träumenden, Bewusstsein über seinen Zustand zu erreichen. Luzides Träumen kann so unterstützt werden. Die Forschung hierzu steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.
Auch die Technik selbst hat bereits die Fähigkeit zu Träumen entwickelt. Mit Google DeepDream wurde eine KI entwickelt, die augenscheinlich selbstständig und kreativ träumt.

 

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