Ratgeber

Sauerstoffsättigung im Schlaf: Was bringt ein Pulsoximeter?

Die Sauerstoffsättigung im Schlaf kann inzwischen jeder zu Hause messen – zumindest versprechen das diverse elektronische Geräte wie Smartwatches, Fitnessuhren oder medizinische Geräte für den Heimgebrauch, wie etwa Pulsoximeter. Sinnvoll ist das häusliche Überwachen der Sauerstoffsättigung im Schlaf bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen, wie beispielsweise Schlafapnoe oder chronischen Lungenkrankheiten – auch bei einer akuten Infektion, wie mit dem Coronavirus. Im Fitness-Bereich spielt der SpO2-Wert ebenfalls für viele eine Rolle.

Was bedeutet Sauerstoffsättigung?

Der Begriff Sauerstoffsättigung beschreibt, wie viel Prozent des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin mit Sauerstoff beladen sind. Das Hämoglobin nimmt den über die Lunge eingeatmeten Sauerstoff auf und transportiert ihn über den Blutkreislauf ins Gewebe, wo es die Sauerstoffmoleküle an die Zellen freigibt.

Sauerstoffsättigung im Schlaf: Welche Werte sind normal?

Die Sauerstoffsättigung im Schlaf sollte, genauso wie im Wachzustand, bei einem gesunden Menschen zwischen 94 und 98 % liegen – dieser Richtwert gilt unabhängig von Alter oder Geschlecht. Von einem Sauerstoffmangel im Blut (Hypoxämie) spricht man jedoch erst, wenn die Sauerstoffsättigung unter 90 % fällt.

Animation: Rote Blutkörperchen im Inneren einer Ader.

Angegeben wird die Sauerstoffsättigung im Blut mit dem sO2-Wert. Die mit einem Pulsoximeter gemessene Sauerstoffsättigung in Prozent wird mit dem SpO2-Wert angegeben. Ebenfalls geläufig sind die Bezeichnungen SaO2 für die Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut, SvO2 für die Sauerstoffsättigung im venösen Blut und SzvO2 für die Sauerstoffsättigung im Blut der Zentralvene.

Was beeinflusst die Sauerstoffsättigung im Schlaf?

Foto: Eine schlafende Person trägt eine CPAP-Maske.

Eine verringerte Atmung, zum Beispiel aufgrund einer Schlafapnoe, kann die Sauerstoffsättigung im Schlaf ebenso negativ beeinträchtigen, wie Herz- und Kreislaufstörungen und eine ganze Reihe von Lungenerkrankungen: chronische, wie Asthma, ein Lungenemphysem oder eine Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), aber auch eine akute Lungenentzündung. Die Pneumonie genannte akute Lungenentzündung wird meist durch eine Bakterienart, die Pneumokokken, ausgelöst. Eine Lungenentzündung kann ebenfalls als Folge einer Covid-19-Erkrankung auftreten. Auch die Umgebungsluft oder eingeatmete Gifte können sich negativ auf die Sauerstoffsättigung im Schlaf auswirken.

Wann wird die Sauerstoffsättigung im Schlaf überwacht?

Foto: Ein Pulsoximeter ist am Finger einer Person angebracht, die in einem Bett mit gänzlich weißer Bettwäsche liegt.

Die Sauerstoffsättigung im Schlaf wird in der Regel nur in bestimmten Fällen im Krankenhaus konstant überwacht. Auf der Intensivstation gehören Pulsoximeter ebenso wie in einem Krankenwagen zur Standardausrüstung. Menschen mit diversen Erkrankungen überwachen ihre Sauerstoffsättigung im Schlaf allerdings zum Teil auch zu Hause selbst. Sinnvoll ist der Einsatz eines privaten Pulsoximeters vor allem bei chronischen Erkrankungen wie bei Schlafapnoe, Lungenkrankheiten (Asthma/COPD) oder Herzkrankheiten. Ob ein Pulsoximeter bei einer akuten Lungenentzündung, etwa als Folge einer Corona-Infektion, auch sinnvoll ist, darüber scheiden sich die Geister.

Pulsoximeter bei Covid-19 / Lungenentzündungen

Während einige Fachleute Pulsoximeter bei einer akuten Lungenentzündung als Folge einer Covid-19-Erkrankung empfehlen, warnen andere davor, sich damit in falscher Sicherheit zu wiegen. Einerseits wären viele Pulsoximeter für den Privatgebrauch zu ungenau und fehleranfällig, andererseits lassen sich allein anhand der Sauerstoffsättigung im Blut nur bedingt Aussagen über den Verlauf der Lungenentzündung treffen. Denn in der Frühphase einer solchen Lungenentzündung kompensieren viele Betroffene ihren Sauerstoffmangel mit einer erhöhten Atemfrequenz. Die schnellere Atmung sorgt für einen beruhigenden SpO2-Wert auf dem Pulsoximeter, beschleunigt jedoch auch das Fortschreiten der Entzündung.

Dr. med. Jens Geiseler, Chefarzt der Pneumologie am Klinikum Vest in Marl, rät deshalb davon ab, sich bei einer Covid-19-Erkrankung lediglich auf ein Pulsoximeter zu stützen. Viel wichtiger wäre es, die Atemfrequenz im Auge zu behalten. Gesunde Menschen atmen etwa 12 bis 16 Mal pro Minute. „Die Patienten, die in der Frühphase einer solchen Lungenentzündung zu uns kommen, haben häufig eine Atemfrequenz von 22 bis 24 Zügen pro Minute, aber keine Luftnot.“, erklärt Geiseler. Die Betroffenen nehmen die schnelle Atmung meist selbst nicht wahr – es fehlt an Alarmsignalen, obwohl die Lungenentzündung bereits fortschreitet.

Foto: Eine Hand hält ein Smartphone, an der anderen ist ein Pulsoximeter angebracht.

Dr. med. Klaus Rabe, ärztlicher Direktor der LungenClinic Grosshansdorf, spricht sich dennoch für die Verwendung eines Pulsoximeters aus. Dies könne zusätzlich zur Atemfrequenz ein weiterer Parameter sein, um einen schweren Verlauf zu erkennen. Dabei sollte auf die Verwendung zertifizierter Geräte geachtet werden. Messen sollten Sie unter Beachtung möglicher Störfaktoren mehrmals täglich 30 bis 60 Sekunden an Zeige- oder Mittelfinger und daraus den Mittelwert errechnen. Das Anwärmen kalter Finger kann die Genauigkeit eines Pulsoximeters erhöhen, wiederholte Messungen minimieren das Risiko falscher Ergebnisse. Bei einem wiederholten Abfall der Sauerstoffsättigung um 5 % sollte ein Arzt kontaktiert werden.

Viele Pulsoximeter für medizinische Zwecke ungeeignet

Foto: Eine Person legt einer anderen Person eine Smartwatch an.

Inzwischen gibt es etliche Pulsoximeter unter 100 Euro auf dem Verbrauchermarkt. Hinzu kommen diverse elektronische Fitnessgadgets wie Smartwatches, die das Messen der Sauerstoffsättigung als eine von vielen Funktionen anbieten. Ganz gleich, ob aus gesundheitlichen Gründen, aus Neugier oder zur Selbstoptimierung, eines muss einem dabei bewusst sein: Verlässlich sind die gesammelten Daten dieser für den Verbrauchermarkt bestimmten Geräte meist nicht. Viele Faktoren können die Messergebnisse der sensiblen Lichtsensoren, die die Sauerstoffsättigung im Blut messen, verfälschen: Nagellack, die Armhaltung, ungünstige Lichtverhältnisse, aber auch der allgemeine Zustand der Gefäße.

Sauerstoffsättigung im Schlaf messen schwierig

Weil Pulsoximeter wie eine sanfte Wäscheklammer lediglich an der Fingerkuppe befestigt werden, gestaltet sich das Messen der Sauerstoffsättigung im Schlaf besonders schwierig. Durch die natürlichen Bewegungen im Schlaf verliert man das Pulsoximeter meistens im Laufe der Nacht. Selbst wenn das Pulsoximeter zusätzlich befestigt wird, kann es aufgrund der Bewegungen zu verfälschten Messergebnissen kommen. Eine Smartwatch hält da schon deutlich besser am Handgelenk, wird jedoch niemals die Qualität medizinischer Messgeräte erreichen. Eine andere Möglichkeit die Sauerstoffsättigung im Schlaf zu messen, wäre sich dafür ein Wecker zu stellen, um die Messung bewusst und unter möglichst optimalen Bedingungen durchzuführen.

Krankenkassen übernehmen Kosten für Pulsoximeter selten

Nur in den seltensten Fällen, wenn dies unbedingt medizinisch notwendig ist, übernehmen Krankenkassen die Kosten für ein Pulsoximeter. Wer seine Sauerstoffsättigung abseits einer medizinischen Notwendigkeit selbst überwachen möchte, findet dafür etliche Geräte auf dem Verbrauchermarkt, muss sich jedoch bewusst sein, dass die Messergebnisse unter Umständen nicht verlässlich sind. Soll das Pulsoximeter zuverlässige Ergebnisse liefern, eine Kostenübernahme der Krankenkasse aber nicht möglich sein, empfiehlt es sich, vor der Anschaffung einen Arzt zu Rate zu ziehen.

 

Ist die Sauerstoffsättigung im Schlaf niedriger?

Bei einem gesunden Menschen sollte die Sauerstoffsättigung im Schlaf nicht niedriger als im Wachzustand sein. Fällt die Sauerstoffsättigung im Schlaf ab, ist dies als Alarmsignal zu sehen – man sollte sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.

Warum fällt nachts die Sauerstoffsättigung?

In den meisten Fällen sind Atemaussetzer ausgelöst durch eine Schlafapnoe der Grund für eine zu niedrige Sauerstoffsättigung im Schlaf. In schweren Fällen setzt die Atmung bei den Betroffenen mehrere hundertmal pro Nacht aus – das kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.

Was tun, wenn die Sauerstoffsättigung zu niedrig ist?

Grundsätzlich sollte bei einer Sauerstoffsättigung unter 90 % sofort ein Arzt oder gegebenenfalls sogar ein Notarzt eingeschaltet werden. Das gilt auch, wenn die Sauerstoffsättigung konstant unter 94 % bleibt. Um sich zu versichern, dass es kein Messfehler ist, kann die Messung mit dem Pulsoximeter, beispielsweise an einem anderen Finger, wiederholt werden – denn Pulsoximeter für den Privatgebrauch können leicht falsche Ergebnisse liefern.

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