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Schlafapnoe – mehr als nur Schnarchen

Foto: Schlafmaske und Pumpe für Überdrucktherapie bei Schlafapnoe.

Das Wort Apnoe kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt Windstille. Von einem Schlafapnoe-Syndrom sprechen Mediziner, wenn es während des Schlafes immer wieder zu Atemaussetzern kommt, die mindestens zehn Sekunden andauern. Durchschnittlich dauern die Atempausen bei einer Apnoe 20 bis 30 Sekunden, sie können aber auch minutenlang anhalten.

Die Betroffenen merken davon in der Regel nichts. Oft sind es ihre Bettpartner, denen die Symptome auffallen. Wer neben einem Menschen mit Schlafapnoe nächtigt, hört in der Regel eine Weile ein Schnarchen, dann über eine gewisse Zeit lang gar keine Atemgeräusche mehr und anschließend ein plötzliches, lautes Schnarch- und Atemgeräusch. Allerdings kann eine Schlafapnoe auch dann vorliegen, wenn kein Schnarchen zu vernehmen ist.

Ursachen der Apnoe

Anhand der unterschiedlichen Entstehungsorte im Körper werden zwei Oberformen der Schlafapnoe unterschieden: die obstruktive und die zentrale.

Die obstruktive Schlafapnoe

Die direkte Ursache der obstruktiven Schlafapnoe ist ähnlich wie die des Schnarchens. Die Muskulatur im Bereich der Atemwege im Mund entspannt sich während des Schlafes übermäßig stark. Dadurch können Nasen- und Mundrachen dem Unterdruck, der beim Einatmen entsteht, nicht mehr genug Widerstand entgegensetzen. Der obere Teil der Atemwege „fällt zusammen“, die Atmung wird an dieser Stelle behindert und es kommt zu einer Atempause. Dauert diese Atempause länger als zehn Sekunden und tritt mindestens fünf Mal pro Stunde auf, wird in der Medizin von einem Schlafapnoe-Syndrom ausgegangen.

Illustration: Zwei Köpfe im Querschnitt: links gesunder Atemfluss, rechts gestörter Atemfluss. Der Atemfluss ist mit Pfeilen dargestellt, daneben stehen die Etappen der Atmung: Nasenhöhle, Zunge, Kehlkopf, Kehldeckel, Gaumenzäpfchen.

Während des Atemstillstandes fällt die Sauerstoffversorgung des Blutes weit unter Normalwert. Das hat zwei Folgen. Erstens kommt es zu einer mangelnden Sauerstoff-Versorgung des Körpergewebes und des Gehirns. Zweitens steigt der CO2-Spiegel im Blut. Dies führt zusammen mit der vergeblichen Einatmungsbewegung dazu, dass der Körper Alarm schlägt, um die Atmung wieder in Gang zu setzen. Der Betroffene wacht dadurch auf, erinnert sich jedoch in der Regel nicht daran.

Die Verengung der Atemwege, die bei diesem Vorgang eine zentrale Rolle spielt, lässt sich auf unterschiedliche Faktoren zurückführen, die häufig in Kombination auftreten. So gibt es zum Beispiel anatomische Besonderheiten wie einen stark zurückliegenden Unterkiefer oder eine vergrößerte Zunge, die das Versperren der Atemwege wahrscheinlicher machen. Außerdem begünstigen Übergewicht sowie die Rückenlage im Schlaf nächtliche Atemaussetzer. Nicht zuletzt können Alkohol und manche Medikamente zu einer ungewollten Muskelentspannung beitragen.

Die zentrale Schlafapnoe

Die zweite Form der Schlafapnoe ist das zentrale Schlafapnoe-Syndrom. Von diesem sind 10 % der an Apnoe erkrankten Menschen in Deutschland betroffen. Beim zentralen Schlafapnoe-Syndrom sorgen Schäden am zentralen Nervensystem für eine unzureichende Steuerung der Atemmuskulatur. Das Gehirn vergisst sozusagen zu atmen. Es reagiert erst, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut auf einen bedrohlichen Wert sinkt. Die zentrale Schlafapnoe kann durch einen Schlaganfall bedingt sein.

Männer häufiger betroffen

Illustration: Von Schlafapnoe Betroffene. Oben: Symbol für einen Mann, daneben steht 2 bis 4 % - unten: Symbol für eine Frau: Daneben steht 1 bis 2 %In Deutschland haben in der mittleren Altersgruppe 1–2 % der Frauen und 2–4 % der Männer das Schlafapnoe-Syndrom. Männer erkranken aus zwei Gründen öfter an einer Apnoe als Frauen. Erstens verfügen Männer über weniger Östrogen in ihrem Hormonhaushalt. Das führt zu einer geringeren Muskelspannung, auch im Bereich des Rachens. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Atemwege verschließen, erhöht sich. Zweitens ist bei Männern das Körperfett anders verteilt. Es befindet sich vor allem in der oberen Körperhälfte. Im Inneren des Bauches befindet sich zwischen den Organen mehr Fett als bei Frauen. Diese Faktoren erschweren die Atmung, besonders bei Übergewicht. Bei Frauen ist das Fett tendenziell mehr um die Hüften verteilt, was keinen Einfluss auf die Atmung hat.

Symptome der Schlafapnoe

Wer an einer Schlafapnoe leidet, wacht mehrmals pro Nacht unbemerkt auf, weil der Körper sich in einer kurzzeitigen Notsituation befindet. Für einen erholsamen Schlaf ist das wenig förderlich, denn die Aufweckreaktion zerstört die natürliche Struktur des Schlafes. Menschen mit Schlafapnoe klagen daher meistens über eine starke Tagesmüdigkeit. Sie fühlen sich schlapp und aufgrund der verminderten Konzentrationsfähigkeit weniger leistungsfähig. Mitunter kommt es zu Sekundenschlaf.

Foto: Blick vom Fahrersitz eines Autos über das Lenkrad. Durch die Windschutzscheibe leuchten verschwommen die Lichter entgegenkommender Autos.

Morgendliche Kopfschmerzen können auf eine Schlafapnoe hindeuten, weil das Gehirn mit zu wenig Sauerstoff versorgt wird. Ebenso kann der Mundraum morgens extrem trocken sein, weil Menschen mit Schlafapnoe häufig mit offenem Mund schlafen.

Wohlgemerkt: Nicht jeder Atemaussetzer und jedes Schnarchen sind gesundheitsschädlich und schon gar nicht automatisch eine Schlafapnoe. Erst ab fünf Atemstillständen von mindestens zehn Sekunden Länge ist ein Schlafapnoe-Syndrom wahrscheinlich.

Gesundheitliche Folgen der Schlafapnoe

In den Alarmsituationen der längeren Atemstillstände aktiviert der Körper sein autonomes Nervensystem, was einen Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz nach sich zieht. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann daher eine Folge des Schlafapnoe-Syndroms sein. Erhöhter Blutdruck wiederum steigert das Risiko für Herzinfarkte, Herzschwäche und Schlaganfälle. Wegen der größeren Gefahr für Sekundenschlaf erhöht sich die Unfallgefahr, etwa beim Arbeiten mit Maschinen oder beim Autofahren. Zusätzlich sinkt die Leistungsfähigkeit aufgrund der verminderten Konzentrationsfähigkeit durch Schlafmangel und Störung des Schlafrhytmus. Eine Schlafapnoe kann auch zu depressiven Verstimmungen führen, weil der Betroffene unter seiner durch permanente Müdigkeit hervorgerufene verminderte Leistungsfähigkeit leidet. Allerdings löst sich die depressive Verstimmung meistens im Zuge der Behandlung der Schlafapnoe.

Was gegen Schlafapnoe hilft

Zunächst: ein Arzt-Besuch

Foto: Ein Stethoskop liegt auf der Manschette eines Blutdruckmessgeräts. Ihr Schlafpartner erzählt Ihnen von langen nächtlichen Atemaussetzern? Sie haben aufgrund von starker Tagesschläfrigkeit den Eindruck, dass etwas mit Ihnen nicht stimmt? Dann schadet ein Besuch beim Arzt sicherlich nicht. Dieser wird nach der Anamnese entscheiden, ob es einen Verdacht auf Schlafapnoe gibt. Besteht dieser, geht es zum Spezialisten. Der wird Sie zum Beispiel mit einem ambulanten Messgerät verkabeln, das nicht nur Ihren Puls misst, sondern auch Ihre Atmung, um mögliche wiederkehrende Atemaussetzer und deren Dauer festzustellen. Das Messgerät können Sie mit nach Hause nehmen. Es stört beim Schlafen nicht, so dass es ein authentisches Ergebnis liefert.

Eine andere Möglichkeit ist die Untersuchung im Schlaflabor. Dort verbringt der Patient zur Abklärung einer Schlafapnoe in der Regel ein bis zwei Nächte. Im Vergleich zum ambulanten Messgerät werden im Schlaflabor deutlich mehr Daten erhoben. Dazu gehören zum Beispiel die Hirnströme und der Sauerstoffgehalt des Blutes. Auch die Augen werden untersucht, um Hinweise auf die jeweiligen Schlafphasen zu erhalten.

Wird eine Schlafapnoe diagnostiziert, sind weitere Arztbesuche sinnvoll. Ein Neurologe kann abklären, ob die Ursache der Apnoe im zentralen Nervensystem liegt, während ein Kieferchirurg prüfen kann, ob sich durch Korrekturen des Unterkiefers der Schlafapnoe beikommen lässt.

Die Schwere der Apnoe wird übrigens anhand des Apnoe-Indexes bestimmt. Er gibt an, zu wie vielen Atempausen von mindestens zehn Sekunden Dauer es pro Stunde kommt. Wer gesund ist, kommt auf unter fünf.

Das CPAP-Gerät und andere Schlafmasken gegen Apnoe

Foto: Eine Person trägt eine AtemmaskeWer an einer Apnoe leidet oder betroffene Freunde hat, kennt vielleicht das CPAP-Gerät. Dabei handelt es sich um eine Schlafmaske, die zu den am häufigsten verschriebenen Mitteln zur Therapie einer Schlafapnoe gehört. Der Patient legt sich nachts eine Atemmaske an, die mit einem Gerät verbunden ist, das mit leichtem Überdruck Raumluft in die Nase und zum Teil auch in den Mund bläst. So soll eine Blockierung der Atemwege unterbunden werden.

CPAP steht für Continuous Positive Airway Pressure, also kontinuierlichen Überdruck. Es gibt noch andere Arten von Masken, die mit unterschiedlichen Beatmungsverfahren funktionieren. Die BiPAP-Maske (Bilevel Positive Airway Pressure) verfügt über zwei verschiedene Drucklevel beim Ein- und Ausatmen. Die Druckdifferenzen werden im Schlaflabor für jeden Patienten individuell ermittelt. Der Druck beim Ausatmen ist dabei niedriger als beim Einatmen. Dadurch atmet der Patient bei einem niedrigeren Druck aus, was die Atemanstrengung verringert.

Eine Weiterentwicklung aus der CPAP-Therapie ist das APAP- beziehungsweise autoCPAP-Gerät, das den Druck bei jedem Atemzug individuell neu ermittelt. Die druckbezogenen Nebenwirkungen werden auf diese Weise reduziert. Ein trockener Mund- und Rachenraum gehört zu den generellen Nebenerscheinungen von Beatmungsgeräten. Dagegen helfen kann die Anreicherung der Raumluft mit einem Luftbefeuchter.

Die Anwendung der Atemmasken lernen Patienten unter fachkundiger Anleitung im Schlaflabor. Manche Patienten kommen mit den Masken nur schwer zurecht und müssen verschiedene Modelle ausprobieren.

Die Krankenkassen übernehmen einen Großteil der Kosten, die für die Schlaftherapiegeräte anfallen. Bei den meisten Krankenkassen zahlen Versicherte einmalig 10 % des Abgabepreises. Im Fachhandel kosten die Geräte, die mittels APAP-Prinzip funktionieren, zwischen 600 und 2000 Euro. Die Masken kosten zwischen 100 und 200 Euro.

Schienen, Tennisbälle und andere Hilfen

Foto: Eine Person im Zahnarztkittel hält eine Unterkiefer-Protrusions-Schiene auf der flaschen Hand.

Bei leichten Formen der obstruktiven Schlafapnoe können auch die üblichen Lösungen gegen das Schnarchen helfen. Zum Beispiel Unterkiefer-Protrusions-Schienen. Dabei handelt es sich um Bissschienen, die das Zurückklappen des Unterkiefers verhindern sollen. Sie können individuell beim Kieferchirurgen angepasst werden.

Den gleichen Effekt kann ein Kieferband erzielen, das den Mund geschlossen hält. Wer sich die Rückenlage abtrainieren will, der greift zu einem Tennisball und näht ihn sich in das Rückenteil seines Schlafanzuges. Dadurch wird die Rückenlage so unbequem, dass man gezwungen ist, eine andere Liegeposition einzunehmen. In der Seitenlage wird zum Beispiel, zumindest mit passender Matratze und richtig eingestelltem Kopfkissen, der Rücken entlastet. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass die Atemmuskulatur zusammenfällt.

Psychologisch kann besonders kurz nach der Diagnose der Besuch von Selbsthilfegruppen dabei helfen, verständliche Ängste zu verringern oder sich über die Probleme mit der Atemmaske auszutauschen.