Herzrasen nachts: Wie hoch darf der Puls beim Schlafen sein?
ZULETZT Aktualisiert: 02. Oktober 2026
Herzrasen nachts kann besorgniserregend sein, doch wann ist ein erhöhter Puls tatsächlich Herzrasen und wie hoch sollte der Puls beim Schlafen sein? Ein erhöhter Puls im Schlaf ist aus medizinischer Sicht nicht zwangsläufig als Alarmsignal zu werten, kann im schlimmsten Fall aber mit einem bedenklichen Gesundheitszustand zusammenhängen. Tritt das Herzrasen nachts häufig auf oder wird von Symptomen wie Schwindel, Herzstechen, Schwitzen, Atemnot oder Übelkeit begleitet, muss umgehend ein Notarzt eingeschaltet werden – dies können Anzeichen eines Herzinfarktes sein. Allerdings kann der Puls beim Schlafen auch auf ganz natürliche Art und Weise ansteigen.
Was ist Herzrasen?
Herzrasen beschreibt das Gefühl, dass dein Herz ungewöhnlich schnell, stark oder auffällig schlägt. Fachleute sprechen bei einer zu schnellen Herzfrequenz von einer Tachykardie. Bei Erwachsenen gilt eine Herzfrequenz von mehr als 100 Schlägen pro Minute im Ruhezustand als Tachykardie, ab 150 spricht man sogar von einer ausgeprägten Tachykardie. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass eine gefährliche Herzerkrankung dahintersteckt.
Puls vs. Herzfrequenz – der Unterschied
Der Begriff Puls beschreibt die Druckwelle, die entsteht, wenn das Herz Blut durch unsere Adern pumpt. Die Herzfrequenz ist die Anzahl der Herzschläge pro Minute und wird in bpm (beats per minute, Schläge pro Minute) angegeben. Bei einem gesunden Menschen entspricht der Puls der Herzfrequenz. Bei bestimmten Krankheiten, wie etwa Herzrhythmusstörungen, können Puls und Herzfrequenz voneinander abweichen.1
Ist Herzrasen nachts gefährlich?
Herzrasen nachts ist nicht automatisch gefährlich. Entscheidend sind Ursache, Dauer, Häufigkeit und mögliche Begleitsymptome. Gefährlich kann es werden, wenn nächtliches Herzrasen die Folge einer koronaren Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörung oder Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist. Ebenso gehen Erkrankungen der Lunge, Schilddrüsenerkrankungen und hormonelle Umstellungen (z. B. während der Wechseljahre) häufig mit Herzrasen nachts einher. Lass das nächtliche Herzrasen ärztlich abklären, wenn:
- es neu auftritt
- es immer wiederkommt oder häufiger wird
- es länger anhält
- dein Herz deutlich unregelmäßig schlägt
- du bereits eine Herzerkrankung hast
- Schwindel oder deutliche Leistungsschwäche dazukommen
Bei Verdacht auf Herzinfarkt
Wähle sofort die 112, wenn das Herzrasen zusammen mit starken Brustschmerzen, ausgeprägter Atemnot, Ohnmacht, drohender Bewusstlosigkeit oder anderen schweren akuten Beschwerden auftritt. Beachte: Die Symptome können sich nach Geschlecht unterscheiden. Der für Männer typische, in den linken Arm ausstrahlende Schmerz kommt bei Frauen kaum vor. Diese klagen stattdessen z. B. eher über Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch oder zwischen den Schulterblättern.2
Herzrasen nachts: mögliche Ursachen
Die Ursachen für Herzrasen nachts sind vielfältig. Es muss sich nicht immer eine ernste Erkrankung dahinter verbergen. Nur anhand des Herzrasens lässt sich die Ursache jedoch nicht sicher erkennen. Unerklärliches, wiederkehrendes nächtliches Herzrasen solltest du zur Sicherheit immer ärztlich abklären. Mit Hilfe eines EKG können Hausarzt oder Kardiologin deinen Herzrhythmus untersuchen. Tritt das Herzrasen nur gelegentlich auf, kann auch ein Langzeit-EKG sinnvoll sein.
Externe Auslöser für nächtliches Herzrasen

Herzrasen nachts muss nicht direkt auf ein krankes Herz zurückzuführen sein. Sogenannte nicht-kardiale Ursachen für nächtliches Herzklopfen oder einen erhöhten Puls können sein:
- Stress und psychische Anspannung
- Angst oder Panik
- Koffein
- Alkohol
- Nikotin
- andere Drogen
- Flüssigkeitsmangel
- Fieber und Infekte
- bestimmte Medikamente
- Hormonschwankungen (z. B. bei Schwangerschaft oder in den Wechseljahren)
Auch deine Schlafphase beeinflusst den Herzschlag. Im REM-Schlaf, wenn dein Gehirn besonders aktiv ist, kann die Herzfrequenz stärker schwanken als in tiefen Non-REM-Schlafphasen. Ein kurzfristiger Anstieg des Pulses muss deshalb nichts Ungewöhnliches bedeuten.
Behandlungsbedürftige Ursachen für Herzrasen nachts
Manchmal kann sich hinter wiederkehrendem Herzrasen nachts jedoch etwas Ernsteres verbergen. Mögliche Ursachen sind zum Beispiel:
- Herzrhythmusstörungen
- Herzinsuffizienz
- koronare Herzkrankheiten
- Schilddrüsenerkrankungen
- Blutarmut
- Schlafapnoe
- Unterzuckerung (bei Diabetes)
Herzrasen nachts bei Diabetes
Bei Menschen mit Diabetes kann nächtliches Herzrasen unterschiedliche Ursachen haben. Wenn du Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente verwendest, solltest du auch an eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) denken.3 Mögliche Anzeichen neben Herzrasen sind Schwitzen, Zittern, Unruhe und Heißhunger. Wachst du nachts wiederholt mit solchen Beschwerden auf, besprichst du das am besten mit deiner Fachkraft für Diabetologie.
Herzrasen nachts in den Wechseljahren
In den Wechseljahren wird nächtliches Herzrasen meist durch die hormonellen Umstellungen ausgelöst. Durch diese reagiert das vegetative Nervensystem oft fehlgeleitet, weitet Blutgefäße und lässt das Herz schneller schlagen. Das kann auch mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen einhergehen.
Hormonell bedingtes nächtliches Herzrasen in den Wechseljahren ist meist harmlos. Trotzdem sollte es medizinisch abgeklärt werden, um andere Ursachen, wie z. B. eine Schilddrüsenüberfunktion, auszuschließen.4
Was tun bei Herzrasen nachts?

Wenn du nachts plötzlich mit Herzrasen aufwachst, achte zunächst auf weitere Beschwerden. Diese Schritte können helfen:
- Versuche, Ruhe zu bewahren. Angst und Panik machen es nur schlimmer.
- Atme ruhig und gleichmäßig.
- Beobachte deinen Puls und notiere, wie lange das Herzrasen anhält.
- Achte auf Begleitsymptome wie Brustschmerzen, Atemnot oder Schwindel.
- Notiere mögliche Auslöser, etwa Koffein, Alkohol, Medikamente oder Stress.
- Hol dir bei wiederkehrenden Episoden ärztlichen Rat.
- Bei akutem Verdacht auf einen Herzinfarkt, wähle die 112.
Behandle erstmaliges oder ungeklärtes Herzrasen niemals auf eigene Faust mit Medikamenten oder vermeintlichen Hausmitteln. Um das Risiko für erneutes Herzrasen in der Nacht zu minimieren, vermeide Genussmittel wie Koffein, Nikotin und Alkohol, gerade gegen Abend.
Vagusmanöver gegen Herzrasen
Sogenannte Vagusmanöver können bei bestimmten Tachykardieformen helfen. Sie stimulieren den Vagusnerv, den größten Nerv des parasympathischen Nervensystems. Er wird aus gutem Grund auch Ruhe- oder Erholungsnerv genannt. Beispiele für Vagusmanöver sind:
- Valsalva-Manöver: tief Luft holen und bei geschlossenem Mund und zugehaltener Nase versuchen auszuatmen, wie bei einem Druckausgleich
- Kälte: Eisbad fürs Gesicht oder kalte Kompressen im Nacken oder auf der Stirn
- Karotissinus-Massage, bei der die Halsschlagader massiert wird (nur mit ärztlicher Anleitung!)
Vagusmanöver sind aber kein allgemeines Mittel gegen Herzrasen. Sie funktionieren nicht bei allen Menschen und auch nicht bei jeder Form des Herzrasens. Lasse dir unbedingt von deiner medizinischen Fachkraft erklären, welches Vagusmanöver für dich geeignet ist oder ob du die Finger davon lassen solltest.5
Welcher Puls ist beim Schlafen normal?

Ein Schlafpuls von etwa 45 bis 55 Schlägen pro Minute gilt bei gesunden Erwachsenen als grober Orientierungsbereich. Weil der Körper nachts weiter runterfährt, liegt der Puls beim Schlafen meist 20 bis 30 % unter dem Ruhepuls im Wachzustand.6 Ausgenommen sind die REM-Schlafphasen. Der durchschnittliche Ruhepuls bei einem gesunden Erwachsenen liegt zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute.7 Manchmal liest man auch von möglichen Ruhepulsen bis 100.
Was ist der Ruhepuls?
Der Ruhepuls ist der Puls, der im Wachzustand bei absoluter Entspannung gemessen wird. Am besten lässt sich der Ruhepuls direkt nach dem Aufwachen messen.8
Wer viel Sport treibt und dadurch ein gut trainiertes Herz hat, kann einen unterdurchschnittlichen Puls haben. Das liegt daran, dass das Herz effizienter arbeitet und weniger Schläge benötigt, um die erforderliche Leistung zu erbringen.
Wie messe ich meinen Puls?

Im Wachzustand kannst du deinen Puls zum Beispiel am Handgelenk ertasten und die Herzschläge zählen. Mit Hilfe einer Uhr kannst du den Puls durch Auflegen zweier Finger, zum Beispiel an der Halsschlagader, über einen Zeitraum von 15 Sekunden mitzählen. Das Ergebnis multiplizierst du anschließend mit vier (4 × 15 Sekunden = 60 Sekunden). So erhältst du die Herzschläge pro Minute.
Während des Schlafs können Schlaftracker, Smartwatches, Fitnessarmbänder oder andere Herzfrequenzmesser den Puls über längere Zeit beobachten. Solche Geräte eignen sich vor allem dazu, Trends und wiederkehrende Veränderungen zu erkennen. Einzelne auffällige Werte können jedoch durch Messfehler entstehen. Eine Smartwatch ersetzt deshalb weder ein medizinisches Langzeit-EKG noch eine ärztliche Diagnose.
Häufige Fragen zu Herzrasen nachts
Warum wache ich nachts mit Herzrasen auf?
Stress, Angst, Koffein, Alkohol, ein Infekt oder eine nächtliche Aufwachreaktion können dazu führen, dass du mit Herzrasen aufwachst. Auch Herzrhythmusstörungen oder andere Erkrankungen kommen als Ursache infrage. Wiederkehrendes oder erstmalig auftretendes, unerklärliches Herzrasen solltest du ärztlich abklären lassen.
Was tun gegen nächtliches Herzrasen?
Ruhe bewahren, durchatmen und ggf. Begleitsymptome beobachten und notieren. Tritt es wiederholt auf, lasse es ärztlich abklären. Bei Verdacht auf Herzinfarkt: sofort 112 wählen!
Ist Herzrasen nachts bei Diabetes gefährlich?
Bei Diabetes kann nächtliches Herzrasen unter anderem mit einer Unterzuckerung zusammenhängen. Das betrifft besonders Menschen, die Insulin oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente verwenden. Weitere mögliche Anzeichen sind Schwitzen, Zittern, Unruhe oder Heißhunger.
Ist Schlafen gut für das Herz?
Ja, vor allem regelmäßig ausreichend zu schlafen, wirkt sich positiv auf die Herzgesundheit aus. In diversen Studien konnte nachgewiesen werden, dass das Risiko für Herzerkrankungen umso mehr sinkt, je besser der Schlaf ist. Wie viel Stunden Schlaf benötigt werden, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Die individuelle Schlafdauer lässt sich relativ einfach selbst ermitteln.
Quellennachweise
- Deutsche Herzstiftung (2024): Nachgefragt: Experten erklären den Puls. URL: https://herzstiftung.de/pulseday-nachgefragt (abgerufen am 16. September 2026) ↩︎
- Deutsche Herzstiftung (2020a): Herzinfarkt bei Frauen: Diese Symptome sollten Sie kennen! URL: https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzinfarkt/anzeichen/herzinfarkt-frauen-symptome (abgerufen am 16. September 2026) ↩︎
- diabinfo. Das Diabetesinformationsportal (2023): Unterzuckerungen bei Diabetes (Hypoglykämien). URL: https://www.diabinfo.de/leben/behandlung/unterzuckerung.html (abgerufen am 16. September 2026). ↩︎
- Besins Healthcare Germany (2026): Herzrasen in den Wechseljahren. URL: https://wechseljahre-verstehen.de/beschwerden/herzrasen/ (abgerufen am 16. September 2026) ↩︎
- Kropac, Kerstin (2024): Was bringt es den Vagusnerv zu aktivieren? Apotheken Umschau. URL: https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/herz-gefaesse/vagus-stimulation-bei-herzrhythmusstoerungen-1191505.html (zuletzt abgerufen am 16. September 2026) ↩︎
- Cleveland Clinic (2024): Checking Your Heart Rate While Sleeping? Here’s What Those Numbers Mean. URL: https://health.clevelandclinic.org/sleeping-heart-rate (abgerufen am 16. September 2026) ↩︎
- Deutsche Herzstiftung (2024) ↩︎
- Deutsche Herzstiftung (2020b): Welcher Puls ist normal? URL: https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/anzeichen-fuer-herzprobleme-erkennen/welcher-puls-ist-normal (zuletzt abgerufen am 16. September 2026) ↩︎


