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Herzrasen nachts: Wie hoch darf der Puls beim Schlafen sein?

Illustration: Ein menschliches Herz vor grauem Hintergrund, das sich in viele viereckige Einzelteile aufzulösen beginnt.

Herzrasen nachts kann besorgniserregend sein, doch wann ist ein erhöhter Puls tatsächlich Herzrasen und wie hoch sollte der Puls beim Schlafen sein? Ein erhöhter Puls im Schlaf ist aus medizinischer Sicht nicht zwangsläufig als Alarmsignal zu werten, kann im schlimmsten Fall aber mit einem bedenklichen Gesundheitszustand zusammenhängen. Tritt das Herzrasen nachts häufig auf oder wird von Symptomen wie Schwindel, Herzstechen, Schwitzen, Atemnot oder Übelkeit begleitet, muss umgehend ein Notarzt eingeschaltet werden – dies können Anzeichen eines Herzinfarktes sein. Allerdings kann der Puls beim Schlafen auch auf ganz natürliche Art und Weise ansteigen.

Puls im Schlaf: mögliche Ursachen für erhöhte Werte

Dreigeteiltes Foto „was den Puls im Schlaf erhöhen kann“: Links Kaffeebohnen mit der Bildunterschrift „Koffein“, mittig ein Whisky-Tumbler mit der Bildunterschrift „Alkohol“ und rechts bunte Tabletten mit der Bildunterschrift „Drogen“.

Wer seinen Puls beim Schlafen regelmäßig überwacht, zum Beispiel mit einem Schlaftracker, sollte wissen, dass auch unruhige Schlafphasen – wie die mit dem Träumen assoziierten REM-Schlafphasen – für einen erhöhten Puls im Schlaf verantwortlich sein können. Auch psychische Belastungen wie Stress oder Ängste können Herzrasen nachts verursachen. Des Weiteren können Flüssigkeitsmangel und Koffein sowie Alkohol- und Drogenkonsum für einen erhöhten Puls beim Schlafen sorgen.

Was ist der Puls eigentlich? Und was ist die Herzfrequenz?
Der Begriff Puls beschreibt die Druckwelle, die entsteht, wenn das Herz Blut durch unsere Adern pumpt. Bei einem gesunden Menschen entspricht der Puls der Herzfrequenz. Bei bestimmten Krankheiten, wie etwa Herzrhythmusstörungen, können Puls und Herzfrequenz voneinander abweichen.

Gefährlich wird es, wenn das Herzrasen nachts die Folge einer koronaren Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörung oder Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist. Ebenso gehen Erkrankungen der Lunge, Schilddrüsenerkrankungen und hormonelle Umstellungen häufig mit Herzrasen nachts einher. Einen erhöhten Puls beim Schlafen sollte man wegen der vielen und teils sehr gefährlichen Ursachen am besten immer ärztlich abklären lassen.

Welcher Puls ist beim Schlafen normal?

Wenn es um Richt- oder Normalwerte geht, ist immer der Ruhepuls gemeint. Weil der Körper nachts noch weiter runterfährt, liegt der Puls beim Schlafen meistens sogar rund 10–15 Schläge unter dem Ruhepuls – ausgenommen sind die REM-Schlafphasen.

Ruhepuls
Der Ruhepuls ist der Puls, der im Wachzustand bei absoluter Entspannung gemessen wird. Am besten lässt sich der Ruhepuls nach dem Aufwachen und noch vor dem Aufstehen messen.

Foto „Puls im Schlaf visualisieren“: Ein Herzfrequenz-Diagramm auf einem EKG-Ausdruck.

Wer viel Sport treibt und dadurch ein gut trainiertes Herz hat, kann grundsätzlich einen unterdurchschnittlichen Puls haben. Das liegt daran, dass das Herz besser arbeitet und weniger Schläge benötigt, um die erforderliche Leistung zu erbringen. Der durchschnittliche Ruhepuls richtet sich außerdem nach dem Alter:

  • Babys → 120 bis 140 bpm
  • Kleinkinder → 100 bis 120 bpm
  • ältere Kinder und Jugendliche → 80 bis 100 bpm
  • Erwachsene → 60 bis 80 bpm

Am niedrigsten ist der Puls also, wenn das Herz komplett ausgewachsen und somit am leistungsfähigsten ist. Mit zunehmendem Alter kann der Puls leicht ansteigen und je nach körperlicher Verfassung über dem Richtwert für Erwachsene liegen.

Steigt der Puls bei einem Erwachsenen über 100 bpm, handelt es sich im medizinischen Sinne um Herzrasen, Tachykardie genannt. Ab einem Puls von 150 liegt eine ausgeprägte Tachykardie vor. Bei einem Puls von unter 60 Schlägen pro Minute (bpm) handelt es sich um eine Bradykardie – dann muss im Ernstfall ein Herzschrittmacher eingesetzt werden. Der Puls im Schlaf kann jedoch temporär unter 60 fallen, ohne dass dies Grund zur Sorge wäre.

Wie wird der Puls gemessen?

Um den Puls zu messen, braucht es kein spezielles Messgerät. Mit Hilfe einer Uhr kann der Puls durch Auflegen zweier Finger, zum Beispiel an der Halsschlagader, über einen Zeitraum von 15 Sekunden mitgezählt werden. Das Ergebnis wird anschließend mit vier multipliziert und so erhält man die Pulsschläge pro Minute.

Foto: Der Arm einer Person legt drei Finger an die Handgelenksvenen des Arms einer anderen Person.

Komfortabler ist die Messung mit einem Pulsmessgerät. Wer seinen Puls beim Schlafen oder beim Sport über einen längeren Zeitraum aufzeichnen möchte, benötigt dafür ein Pulsmessgerät, das länger getragen werden kann. Pulsmessgeräte und Herzfrequenzmessgeräte existieren in den unterschiedlichsten Ausführungen.

Wegen ihrer Genauigkeit und dem hohen Tragekomfort sind Brustgurte, die die Herzfrequenz messen und an ein Empfangsgerät senden, vor allem bei Sportlern beliebt. Inzwischen gibt es darüber hinaus auch eine ganze Reihe von Smartwatches sowie Fitnessuhren und -armbänder, die bequem am Handgelenk getragen werden können und neben vielen anderen Funktionen auch den Puls beim Schlafen messen. Genau wie bei den im Krankenhaus verwendeten Pulsoximetern erfolgt die Messung hier mittels Lichtsensoren, die eher zu Messfehlern neigen als die Hautelektroden der Brustgurte, die die Herzfrequenz messen.

Wie lässt sich der Puls senken?

Ärzte können in schweren Fällen auf diverse Medikamente zurückgreifen, um den Puls zu senken. Die bekanntesten Medikamente für diesen Zweck fallen in die Kategorie der Betarezeptorenblocker, meist einfach nur Betablocker genannt.

Dreigeteiltes Foto: Links Baldrian, mittig Zimt und rechts Weißdorn; jeweils mit der dazu passenden Bildunterschrift.

In weniger schweren Fällen können auch Hausmittel wie Weißdorn-Präparate oder Zimt helfen, den Puls langfristig zu senken. Dasselbe gilt für Sport: Vor allem Ausdauersport wie Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren können auf Dauer den Puls senken. Wer schnelle Effekte erzielen will, kann bei Stress als möglichem Auslöser auch auf Baldrian-Präparate zurückgreifen. Ebenfalls schnelle Linderung versprechen bestimmte Atemübungen. Zum Beispiel das vom Fliegen zum Druckausgleich bekannte Valsalva-Manöver oder das sogenannte richtige Atmen. Für letzteres legt man sich flach auf den Rücken, legt die Hände auf den Bauch oder neben den Körper und atmet dann ein, bis sich die Lungen vollständig gefüllt haben. Anschließend muss man langsam durch den geöffneten Mund ausatmen und das Ganze eine Minute lang wiederholen.

 

Wie tief darf der Puls nachts sinken?

Der Puls beim Schlafen ist die meiste Zeit niedriger als tagsüber und sogar niedriger als der Ruhepuls. Während der Ruhepuls bei einem Erwachsenen zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute liegen sollte, kann der Puls beim Schlafen auf 45 bis 55 Schläge pro Minute sinken. Bei sehr sportlichen Menschen kann er sogar noch weiter abfallen, weil das Herz besser arbeitet und somit weniger Schläge benötigt. Lediglich in den REM-Schlafphasen kann der Puls beim Schlafen auf natürliche Art steigen.

Warum geht der Puls im Schlaf hoch?

In denen mit dem Träumen assoziierten REM-Schlafphasen ist es vollkommen natürlich, dass der Puls beim Schlafen ansteigt. Abgesehen davon sollte der Puls beim Schlafen unter dem Puls tagsüber und sogar unter dem Ruhepuls liegen. Herzrasen nachts kann die Folge von Stress, übermäßigem Koffein- und Alkoholkonsum, aber auch von ernstzunehmenden Erkrankungen sein. Nächtliches Herzrasen sollte deshalb immer von einem Arzt untersucht werden.

Ist Schlafen gut für das Herz?

Ja, vor allem regelmäßig ausreichend zu schlafen, wirkt sich positiv auf die Herzgesundheit aus. In diversen Studien konnte nachgewiesen werden, dass zu wenig Schlaf das Risiko eines Herzinfarktes oder anderer Herzerkrankungen erhöht. Wie viel Stunden Schlaf benötigt werden, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Die individuelle Schlafdauer lässt sich relativ einfach selbst ermitteln.

 

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