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Memory-Schaum: Was ist das?

Ein Handabdruck in einem Stück Memory-Schaum.

Memory-Schaum ist für sein besonders körpernahes Liegegefühl und seine langsame Rückstellkraft bekannt. Doch was unterscheidet ihn eigentlich von herkömmlichem Kaltschaum, wie funktioniert der sogenannte Memory-Effekt – und für wen eignet sich das Material?

Was ist Memory-Schaum?

Memory-Schaum (auf Deutsch etwa „Gedächtnisschaum“) ist ein viskoelastischer Polyurethanschaum. Häufig begegnest du auch den Begriffen Memory Foam oder Viscoschaum. Viskoelastische Materialien vereinen zwei Eigenschaften: Sie sind einerseits elastisch, andererseits viskos.

Im Memory-Schaum sind beide Eigenschaften so ausbalanciert, dass er sich langsam verformt und langsam wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehrt.

Wo wird Memory-Schaum verwendet?

Neben seiner ursprünglichen Verwendung in Luft- und Raumfahrt, die ihm seinen Spitznamen NASA-Schaum eingebracht hat, ist er heute vor allem aus dem Schlafbereich bekannt. Dort wird er für Memory-Foam-Matratzen, Memory-Schaum-Topper und Visco-Kissen verwendet. Aber auch in Sportausrüstung findet er Verwendung, etwa in Laufschuhen und Schutzhelmen, sowie im medizinischen Bereich, z. B. in Anti-Dekubitus-Matratzen.

Dreigeteiltes Bild: Links ein Schuh mit Einlegesohle, in der Mitte ein Motorradhelm, rechts ein Stapel Memory-Schaum-Kissen

Wie funktioniert Memory-Schaumstoff?

Entscheidend für das typische Verhalten ist seine feinporige, offene Zellstruktur. Wie fest sich der Schaum anfühlt, hängt dabei unter anderem von der Temperatur ab. Daher wird er auch manchmal „thermoelastisch“ genannt. Bei normaler Zimmertemperatur ist Memory Foam zunächst relativ fest. Durch deine Körperwärme wird das Material weicher und gibt unter Belastung nach. So kann es sich den Körperkonturen besonders eng anschmiegen und beispielsweise im Bereich von Schultern, Hüfte und Rücken gezielt nachgeben.

Gut zu wissen: Der Temperaturbereich, in dem sogenannte amorphe Polymere wie Polyurethan allmählich von steif zu weich übergehen, nennt sich Glasübergangstemperatur. Anders als bei herkömmlichen Polyurethanschäumen liegt diese bei Memory-Schaum im Bereich normaler Zimmertemperaturen oder leicht darunter. Das führt dazu, dass manche Polymersegmente im Schaum noch steif, andere bereits beweglich sind. Daher wird der Schaum genau dort umso weicher, wo du mit deiner Körperwärme auf ihn einwirkst. Bei niedrigen Temperaturen – wie im Winter – bleibt er allerdings auch fester.

Wie wird er hergestellt?

Wie alle Polyurethanschäume wird Memory-Schaum aus zwei Grundstoffen hergestellt: einem Isocyanat und einem Polyol. Vermischt man die beiden Flüssigkeiten miteinander, entsteht der Kunststoff Polyurethan. Wird Wasser hinzugenommen – zum Beispiel in Form von Luftfeuchtigkeit – entstehen zusätzlich Gase, die zur Schaumbildung führen.

Spezielle chemische Zusätze verleihen dem Material schließlich seine viskoelastischen Eigenschaften. Auch die genaue Art und das Mischverhältnis der Ausgangsstoffe sowie die Luftfeuchtigkeit spielen eine Rolle. Unterschiedlichste Rezepturen ermöglichen es Herstellenden, Zellstruktur und Materialverhalten ihres Memory-Schaums zu steuern. Wie eine Rezeptur im Detail lautet, fällt in der Regel unter das Betriebsgeheimnis.

Illustration: Ein Messbecher mit Kaltschaum darin. Davor eine Lupe, in der die Porenstruktur zu sehen ist. Daneben steht geschrieben: Isocyanat und Polyol

Der Unterschied zu Kaltschaum

Werkstofftechnisch handelt es sich bei Memory-Schaum und Kaltschaum nicht um grundlegend verschiedene Materialien. Beide sind offenzellige, flexible Polyurethanschäume. Seine viskoelastischen Eigenschaften enthält Memory-Schaum durch spezielle Rezepturen, die ein bestimmtes Mischverhältnis der Ausgangsstoffe sowie weitere Zusätze beinhalten können.

Ähnlich wie Kaltschaum kann auch Memory Foam ohne äußere Wärmezufuhr geschäumt werden, weshalb ihre handelsüblichen Bezeichnungen für Verwirrung sorgen können. Trotzdem wäre es falsch, Memory-Schaum als (eine Art) Kaltschaum zu bezeichnen. Fachleute sprechen daher häufig von high-resilience (HR) und low-resilience (LR) foam, also Schaum mit hoher bzw. geringer Rückstellkraft.

Memory-Schaum oder Kaltschaum? Keine Entweder-oder-Frage

Gerade wenn es um Matratzen geht, ist die Frage nach Memory-Schaum und Kaltschaum keine des Entweder-Oders. Memory-Foam-Matratzen bestehen in der Regel nicht zu 100 % aus dem viskoelastischen Material, da du sonst viel zu tief einsinken würdest. Normalerweise besitzen Memory-Foam-Matratzen einen stützenden Kern aus Kaltschaum oder Metallfedern, wie bei sogenannten Hybrid-Matratzen. Erst das Zusammenspiel aus Memory-Schaum-Komfortschicht und anderen Materialien ermöglicht die richtige Balance aus Stützkraft und Druckentlastung.

Memory-Schaum-Topper

Memory-Schaum-Topper hingegen können aus 100 % Memory-Schaum gefertigt werden. Das macht auch Sinn: Ein Topper ist schließlich nichts anderes als eine separat erhältliche Schicht, die dazu gedacht ist, die Liegeeigenschaften deiner Kaltschaum- oder Federkernmatratze an deine individuellen Bedürfnisse anzupassen.

Kaltschaum oder Memory-Schaum – was wählen?

KaltschaumMemory-Schaum
Liegegefühlstützend;
leicht federnd;
schnelle Reaktion auf Bewegung
stark nachgebend, umhüllend;
federt nicht;
langsame Reaktion auf Bewegung
Schlaf­temperaturneutral bis leicht wärme­speicherndtendenziell stärker wärme­speichernd
Hauptvorteilgute Kombination aus Stützkraft, Elastizität und Bewegungs­unter­stützungbesonders ausgeprägte Druck­ent­lastung und Kontur­anpassung
Hauptnachteilgeringere Kontur­anpassung und Druck­entlastungMaterial­verhalten temperatur­abhängig: fester bei niedrigen Temperaturen, weicher bei höheren;
träge Anpassung kann Positions­wechsel erschweren
Geeignet fürdie meisten MenschenMenschen mit druck­empfindlichen Körperstellen;
Menschen, die sich im Schlaf sehr wenig bewegen;
wärme­unempfind­liche Menschen

Wenn du dir unsicher bist, ob Kaltschaum oder Memory-Schaum besser zu dir passt, ist Kaltschaum meist die sicherere Wahl, da er

Memory Foam ist dagegen Geschmackssache: Das tiefe, träge Einsinken und das wärmere Liegegefühl können für manche angenehm sein, von anderen aber als störend empfunden werden. Wenn du keine ausgeprägte Druckentlastung benötigst, ist eine gut abgestimmte Kaltschaummatratze deshalb wahrscheinlich die passendere Empfehlung für dich. Solltest du nach einigen Wochen auf deiner Kaltschaummatratze feststellen, dass du doch nicht auf die druckentlastenden Eigenschaften von Memory-Schaum verzichten möchtest, kannst du mit einem Memory-Schaum-Topper nachrüsten.

Häufig gestellte Fragen

Ist Kaltschaum dasselbe wie Memory-Schaum?

Nein. Zwar bestehen beide aus Polyurethan, sie unterscheiden sich aber in ihren Materialeigenschaften. Kaltschaum springt schnell in seine Ausgangsform zurück, während Memory-Schaum unter Druck und Wärme langsam nachgibt und verzögert in seine Ausgangsform zurückkehrt.

Was ist besser, Memory-Schaum oder Kaltschaum?

Das hängt von deinen persönlichen Bedürfnissen ab. Memory-Schaum passt sich besonders körpernah an und entlastet Druckpunkte. Kaltschaum bietet mehr Bewegungsunterstützung, reagiert schneller und ist meist luftdurchlässiger.

Für wen ist Memory-Schaum geeignet?

Memory-Schaum eignet sich besonders für Menschen, die gerne weich und umhüllt liegen oder empfindlich auf Druck reagieren. Wer nachts häufig die Schlafposition wechselt, schnell schwitzt oder ein federndes Liegegefühl bevorzugt, fühlt sich auf Kaltschaum möglicherweise wohler.

Ist Memory-Schaum gut für den Rücken?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Das Wichtigste ist, dass deine Wirbelsäule beim Schlafen ihre natürliche Haltung einnehmen und sich deine Stützmuskulatur entspannen kann. Dazu braucht es einen stützenden Matratzenkern aus einem weniger stark nachgebenden Material. Eine Matratze aus 100 % Memory-Schaum hätte womöglich nicht ausreichend Stützkraft.

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