Ratgeber

Wolldecke: Begleiterin für das ganze Jahr

Foto: Drei gefaltete Wolldecken liegen aufeinander.

Die Wolldecke ist ein Inbegriff der Gemütlichkeit. Als Wohlfühlfaktor spielt sie in vielen Haushalten eine Rolle – ob als Auflage der heimischen Couch, als zusätzlicher Wärmespender im Winter oder als Gästedecke. Doch auch außerhalb der eigenen vier Wände finden Wolldecken häufige Verwendung, etwa als Rettungsdecke oder bei der Tierhaltung.

Hochwertiges Naturprodukt

Der Rohstoff für die klassische Wolldecke ist Naturwolle, also Wolle, die von Tieren stammt. Diese wird meist von Schafen gewonnen. Auch das Fell von Kamelen, Alpakas, Ziegen oder Yaks eignet sich besonders gut für Produkte aus Naturwolle. Sie werden aufgrund ihrer Exklusivität zu den Edelhaaren gezählt. Preislich sind Wolldecken aus diesen Materialien im oberen Segment zu finden. Sie haben gemeinsam, dass sie sich sehr fein und weich auf der Haut anfühlen. Dass Produkte aus Naturwolle kratzig sind, ist eine weitverbreitete Meinung, die jedoch oft auf Verschleiß und nicht auf die generellen Eigenschaften des Materials zurückzuführen ist. Wenn Ihre Wolldecke sich etwas kratzig anfühlen sollte, finden Sie im Unterpunkt „Pflegetipps für Ihre Wolldecke“ einige Hinweise, wie sie wieder flauschig weich wird.

Foto: Diverse Naturwollarten in Nahaufnahme.

Generell besitzen Wolldecken selbstreinigende Eigenschaften, sind geruchsabweisend und bieten ein hervorragendes Temperaturmanagement. Im Winter spenden Wolldecken Wärme, im Sommer geben sie Schweiß und überschüssige Hitze schnell nach außen ab. Optimale Voraussetzungen also, um das ganze Jahr über im Einsatz zu sein. Produkte aus Naturwolle lassen sich auch gut kombinieren. Häufig werden sie mit synthetischen Stoffen wie etwa Polyester gemischt. Die Qualität von Wolldecken ist jedoch am höchsten, wenn es sich um Produkte aus reiner Wolle handelt.

Eine vielfältige Stoffauswahl

Sehr beliebt sind Wolldecken aus Schafswolle. Dabei wird zwischen Produkten aus Schafs- oder Schurwolle unterschieden. Schurwolle wird immer vom lebendigen Tier gewonnen und ist qualitativ hochwertiger als gewöhnliche Schafswolle, die bisweilen von toten Tieren stammt. Besonders hoch ist die Qualität von Decken, die aus Merinowolle gefertigt werden. Das Fell dieser Schafe, die ursprünglich in Nordafrika heimisch waren und nun vor allem in Spanien und Australien gezüchtet werden, ist besonders weich und widerstandsfähig. Alle Wolldecken aus Schafswolle haben den Vorteil, dass sie knitterfrei sind.

Foto: Eine kleine Schafherde auf freiem Feld.

Den größten Wärmeeffekt bieten Produkte aus Lopi-Wolle, die von isländischen Schafen gewonnen wird. Auch in den Fasern von Alpaka-Wolle wird Wärme noch besser gespeichert als in herkömmlicher Schafswolle. Für Wollallergiker ist Alpaka-Wolle ebenfalls etwas verträglicher als Produkte vom Schaf, denn sie hat einen geringeren Anteil an Wollfett – einem Sekret, das in den Talgdrüsen der Tiere produziert wird. Der im Wollfett enthaltene Stoff Lanolin ist für die selbstreinigenden und temperaturregulierenden Eigenschaften der Decken verantwortlich, kann bei empfindlichen Personen jedoch allergische Reaktionen hervorrufen.

Neben Wolldecken aus Alpaka-Wolle sind auch Produkte aus Kaschmirwolle gut für Wollallergiker verträglich. Der Stoff aus dem Unterhaar der Kaschmir-Ziege bietet das wohl weichste Hautgefühl aller Wolldecken. Durch ihre Reißfestigkeit sind Wolldecken aus Kaschmir zudem sehr langlebig. Damit können ebenfalls Produkte punkten, die aus Mohair-Wolle gefertigt sind. Die Faser, die aus dem Haar von Angora-Ziegen gewonnen wird, verfügt über alle positiven Eigenschaften, die andere Naturfasern bieten und hat dazu noch den Vorteil, dass sie nicht so leicht verfilzt.

Pflegetipps für Ihre Wolldecke

Durch die hervorragenden selbstreinigenden Eigenschaften ist es nicht nötig, Ihre Wolldecke häufig zu waschen. Bei leichten Verschmutzungen reicht es, wenn Sie die Decke über Nacht an die frische Luft hängen. Durch die Lanolin-Schutzschicht gelangt nur wenig Schmutz tief in die Fasern des Stoffes. Wenn die Luftfeuchtigkeit nachts erhöht ist, befreit das die Decke oft schon ausreichend von Ablagerungen. Die Lanolin-Schutzschicht ist auch ein Grund, warum Sie Ihre Wolldecke, wenn möglich, nicht maschinell waschen sollten. Bei Temperaturen über 25 °C wird das schützende Wollfett herausgewaschen. Außerdem verfilzt die Decke schneller bei höheren Temperaturen.

Foto: Eine Wolldecke wird mit einem Schwamm und viel Schaum gereinigt.

Eine geeignetere Option, Ihre Wolldecke zu pflegen, ist die Handwäsche. Sie können dazu etwas Wollwaschmittel in eine Badewanne mit lauwarmem Wasser geben und die Decke darin ohne große Reibung waschen. Im Anschluss sollten Sie die Rückstände des Waschmittels gründlich mit klarem Wasser ausspülen. Vor dem Trocknen ist es wichtig, die Decke nicht zu stark auszuwringen. Drücken Sie das Wasser lieber vorsichtig heraus. Zum Trocknen können Sie Ihre Wolldecke gleichmäßig verteilt auf einen Wäscheständer legen, dann behält sie ihre Form und trocknet optimal. Falls Ihre Decke laut Etikett für die Maschinenwäsche geeignet ist, sollten Sie einen Wollwaschgang wählen und die Temperatur auf kalt oder 20 °C einstellen.

Bei hartnäckigen Flecken, wie z.B. bei Erbrochenem, sollten Sie auf chemische Reinigung verzichten. Das sensible Material verträgt aber eine Behandlung mit etwas Spülmittel oder Essig. Spülen Sie die betroffene Stelle zunächst mit kaltem Wasser gut aus. Im Anschluss daran können Sie die Oberfläche der Decke mit etwas Essig oder Spülmittel betupfen und anschließend wieder gut ausspülen.

Foto: Nahaufnahme einer Wolldecke, die per Pilling von Fusseln befreit wird.

Falls sich im Laufe der Zeit kleine Knötchen auf der Wolldecke entwickeln, ist das nicht weiter tragisch. Dabei handelt es sich um das sogenannte Pilling. Die Knötchen bestehen aus Fasern, die sich gelöst und zu einem Knäuel verflochten haben. Wenn Sie dies bei Ihrer Wolldecke beobachten, können Sie ihr mit einem Wollkamm oder Wollrasierer zu neuer Weichheit verhelfen.

Für den Fall, dass sich die Decke kratzig anfühlt, können Sie ihr beispielsweise ein Lanolinbad gönnen. Dafür benötigen Sie ein wasserfreies Wollwachs aus der Apotheke, etwas Spülmittel und kochendes Wasser. Rühren Sie je einen Teelöffel Wollwachs und Spülmittel in das heiße Wasser ein und lassen Sie es abkühlen. In diesem Lanolinbad sollte die Decke über Nacht liegen bleiben. Im Anschluss können Sie die Decke vorsichtig auswringen und liegend trocknen.

Schattenseiten der Produktion

Foto: Ein Schaf aus der Hinteransicht.

Wolldecken sind in vieler Hinsicht die perfekten Begleiter in einem Zuhause zum Wohlfühlen. Doch die Produktion ist, ähnlich wie bei Daunendecken, kritisch zu sehen. Bei der Zucht von Schafen wird häufig das umstrittene Beschneidungsverfahren Mulesing angewandt. Dabei wird dem Schaf ein Stückchen Haut aus dem Schwanzbereich entfernt. So soll verhindert werden, dass sich Fliegenmaden in den Hautfalten der Schafe einnisten. Diese Behandlung ist sehr schmerzhaft für die Tiere und von Natur aus eigentlich unnötig. Das vermehrte Risiko des Parasitenbefalls ist ein Begleiteffekt der Zucht. Da die Schafe dazu gebracht werden, immer mehr und dichtere Wolle zu produzieren, schwitzen sie vermehrt, was den Fliegenbefall in ihren Hautfalten begünstigt. Auch die Schur bedeutet oft eine Qual für Schafe, Alpakas und Ziegen. Es sind von Natur aus Fluchttiere, die leiden, wenn sie gewaltsam festgehalten, oder, wie in manchen Fällen praktiziert, festgebunden werden. Auf den Etiketten können Sie sich über Öko-Standards und Tierfreundlichkeit der Produktion kundig machen. Eine zuverlässige Quelle zu finden, ist jedoch schwierig, denn viele Siegel werden von den Herstellern selbst kreiert. Wenn zusätzlich noch ein unabhängiges Prüfergebnis angegeben wird, ist das jedoch ein guter Anhaltspunkt über die Transparenz des Etiketts. Grundsätzlich sollten Sie sich bewusst machen, dass Massenproduktion immer mit Tierleid einhergeht.

Eine lohnende Alternative

Als pflegeleichte Alternative zu Wolldecken aus Naturwolle bieten sich Baumwolldecken an. Sie fühlen sich ebenfalls flauschig weich auf der Haut an, bieten ein gutes Temperaturmanagement und können oft bei 60 °C gewaschen werden. Baumwolldecken sind in vielfältiger Auswahl für jede Jahreszeit verfügbar.

Foto: Rettungsdecke, Pferdedecke und Kuscheldecke nebeneinander in Einzelaufnahmen.

Ganz gleich, für welche Variante Sie sich letztendlich entscheiden: Eine Wolldecke hat in vielen Bereichen des täglichen Lebens einen Nutzen. Außerhalb der eigenen vier Wände dient sie beispielsweise bei Feuerwehreinsätzen der ersten Hilfe und wird auch als Wärmespender für Pferde und Hunde verwendet. Eine Wolldecke kann auch Tages– oder Spieldecke sein oder ein wärmender Überwurf im Winter, etwa in Form eines Plaids. Im Sommer steht sie als Picknickdecke zur Verfügung. Wenn Sie bei der Anschaffung ein paar wichtige Hinweise und die Pflegetipps beachten, ist die Wolldecke eine Investition, die Sie lange begleitet.

Welche Wolldecke wärmt am besten?

Produkte aus Lopi-Wolle haben den höchsten Wärmeeffekt. Der Stoff wird von Schafen gewonnen, die perfekt an das raue Wetter in Island angepasst sind. Auch Produkte aus Alpaka-Wolle speichern Wärme besser, als die meisten anderen Wollsorten.

Welche Wolldecke kratzt nicht?

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass jede Wolldecke kratzt. Stoffe aus Kamelhaar oder Ziegenhaar fühlen sich beispielsweise sehr geschmeidig auf der Haut an. Falls die Wolle kratzig wird, ist es oft eine Verschleißerscheinung des Produkts, die mit Pilling oder einem Lanolinbad gut behandelt werden kann.

Wie werden Wolldecken gewaschen?

Durch die Lanolinschicht haben Wolldecken bereits eine selbstreinigende Oberfläche. Bei leichter Verschmutzung ist es ausreichend, wenn die Decke über Nacht an die frische Luft gehängt wird. Bei hartnäckigen Flecken empfiehlt sich Handwäsche mit einem Wollwaschmittel oder eine gezielte Fleckenentfernung mit Essig und klarem Wasser.

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