Schlafgeschichten

Woher kommt die berüchtigte Frühjahrsmüdigkeit?

Foto: Eine Frau trinkt eine Tasse Tee in einer Hängematte.

Die Tage werden länger und heller, die Vögel zwitschern und die ersten Krokusse blühen: Während alles im Frühling wieder zu neuem Leben erwacht, macht sich bei vielen Menschen die Frühjahrsmüdigkeit breit. Betroffene verspüren eine bleierne Müdigkeit, sind antriebslos und matt. Mit den richtigen Maßnahmen können Sie der Frühjahrsmüdigkeit aber sehr gut gegensteuern.

Wie äußert sich die Frühjahrsmüdigkeit?

Foto: Eine Frau schlägt sich die Hände vor das Gesicht und wirkt erschöpft.

Während die eine Hälfte der Menschen in Deutschland von Frühlingsgefühlen überschüttet wird, beklagt die andere Hälfte zur Frühlingszeit Heuschnupfen, Allergieerscheinungen oder Symptome der sogenannten Frühjahrsmüdigkeit. Es treten bei der Frühjahrsmüdigkeit Symptome auf, die einem Jetlag ähneln und bis zu zwei Wochen andauern können. Betroffene sind ständig müde und erschöpft. Eine verringerte Leistungsfähigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen gesellen sich oft hinzu. Wichtig zu wissen: Bei der Frühjahrsmüdigkeit handelt es sich nicht um eine Krankheit. Sie ist ein Phänomen, das durch den Jahreszeitenwechsel auftreten kann. Die Symptome treten zumeist ab Mitte März bis Mitte April auf. Bisher liegen zur Frühjahrsmüdigkeit nur wenige aussagekräftige Studien vor. Es wird vermutet, dass rund die Hälfte aller Deutschen das Phänomen durchmacht und Frauen dabei häufiger betroffen sind als Männer.

Wenn die innere Uhr noch nicht umgestellt ist

Bisher konnte keine eindeutige Ursache der Frühjahrsmüdigkeit wissenschaftlich belegt werden. Mediziner vermuten dahinter eine Umstellungsreaktion und ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt. Aufgrund des mangelnden Sonnenlichts während der dunklen, kalten Jahreszeit produziert der Körper vermehrt das Schlafhormon Melatonin. Werden die Tage wieder länger, fährt er durch die zunehmende Helligkeit die Produktion des Glückshormons Serotonin hoch. Serotonin wird durch Licht angekurbelt und gibt uns Schwung, Energie und gute Laune für den Tag. Das führt in der Übergangszeit zu einem hormonellen Ungleichgewicht, was dem Körper wiederum viel abverlangt und müde machen kann.

Foto: Ein Igel in einem Laubhaufen.

Der Körper erwacht also aus einer Art Winterschlaf und muss sich im Frühjahr erst wieder an die geänderten Gegebenheiten gewöhnen. Wenn mit dem Frühling die Temperaturen steigen, stellen sich außerdem die Blutgefäße weit. Es fließt wieder mehr Blut, der Blutdruck sinkt, was Schwindelgefühle und Kreislaufprobleme hervorrufen kann. Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen reagieren daher weitaus empfindlicher auf den Jahreszeitenwechsel und sollten sich schonen. Einen besonderen Schub der Frühjahrsmüdigkeit erleben viele Menschen noch einmal, sobald die Uhren Ende März wieder auf Sommerzeit gestellt werden. Durch die Zeitverschiebung von einer Stunde erleben viele Betroffene Symptome eines Jetlags und brauchen einige Tage, um wieder fit zu werden.

Der Körper braucht schätzungsweise vier Wochen, um sich an die neuen Licht- und Temperaturverhältnisse anzupassen und ein neues Gleichgewicht herzustellen. Erst dann ist die innere Uhr wieder justiert. Bei einer normalen Frühjahrsmüdigkeit sollten die Symptome aber nach maximal zwei Wochen verschwunden sein.

Wie sich Frühjahrsmüdigkeit bekämpfen lässt

Foto: Eine junge Frau steht im Wald und genießt die Sonne.

Wer die Frühjahrsmüdigkeit bekämpfen will, kann mit einfachen Mitteln nachhelfen. Ärzte empfehlen, täglich für einige Minuten Sonne zu tanken, um die Vitamin-D-Speicher aufzufüllen. Bewegung, etwa in Form eines ausgiebigen Spaziergangs an der frischen Luft, kann dem Körper bei der hormonellen Umstellung helfen. Zudem spielt bei der Frühjahrsmüdigkeit die Ernährung eine wichtige Rolle. Achten Sie auf eiweißhaltige und vitaminreiche Nahrung. Vitamin C hilft, dass sich der Körper bei einem Wetterumschwung besser anpasst. Die Verwendung passender Kräuter kann gegen die Schläfrigkeit helfen.

Tipp: Frühjahrsmüdigkeit lässt sich schon im Winter vorbeugen. Achten Sie bereits im Winter auf eine vitaminreiche Kost, viel Obst und Gemüse und ausreichend viel Bewegung. So bleibt der Kreislauf in Schwung und verkraftet die Jahreszeitenumstellung besser.

Mit der Einhaltung einer guten Schlafhygiene können Sie der Frühjahrsmüdigkeit ebenfalls entgegensteuern. Wer nicht zu spät ins Bett geht, ausreichend schläft und nach dem Aufstehen Licht ins Schlafzimmer lässt, kann die Symptome abmildern. Ausreichend Schlaf ist in dieser Zeit besonders wichtig, da Schlafmangel das Immunsystem schwächt. Wer in der Nacht nicht genug Schlaf bekommt, kann tagsüber ein Nickerchen abhalten, um das Schlafdefizit etwas auszugleichen. Das Nickerchen sollte allerdings nicht unbedingt auf den späten Nachmittag oder Abend gelegt werden, da sonst Einschlafprobleme drohen.

Letztendlich ist es ratsam, auf die eigene innere Stimme zu hören und nur dann zu solchen Maßnahmen zu greifen, wenn einem danach ist. Da die Frühjahrsmüdigkeit in der Regel lediglich zwei Wochen andauert, ist es nicht verkehrt, dem Körper während dieser Zeit die Ruhe zu gönnen, die er braucht.

Frühjahrsmüdigkeit bei Kindern

Foto: Kinder spielen auf einer Wiese Fußball.

Auch Kinder können von der Frühjahrsmüdigkeit betroffen sein. Tritt Frühjahrsmüdigkeit bei Kindern auf, sollten Sie Ihren Nachwuchs bestmöglich unterstützen. Die verringerte Leistungsfähigkeit kann auch schulische Einbußen nach sich ziehen. Ausgiebige Spaziergänge, Spielplatzbesuche und eine gesunde Ernährung helfen, die Müdigkeit eher zu überwinden. Bewirken diese Maßnahmen bei Ihren Nachwuchs eher das Gegenteil, gönnen Sie ihm stattdessen Ruhe und Schlaf.

Der Unterschied zur Frühjahrsdepression

Foto: Ein Mann sitzt in einer Röhre.

Verschwindet die Frühjahrsmüdigkeit nach maximal zwei Wochen nicht, könnte es sich um eine Frühjahrsdepression handeln, die länger anhält und ärztlicher Behandlung bedarf. Die Frühjahrsdepression kann das Ergebnis einer latenten Depression sein. Wer sich auch nach den zwei Wochen dauerhaft abgeschlagen, müde und niedergeschlagen fühlt, sollte zügig einen Arzt aufsuchen. Bedenklich ist, dass die Suizidrate im März gegenüber dem Monat Februar über die Jahre verteilt oft höher ist. Eine wissenschaftliche Erklärung gibt es dafür nicht. Ärzte vermuten aber einen Zusammenhang mit der Übergangsphase zwischen Winter und Frühling. Werden die Tage länger, sonniger und wärmer, stellt sich bei vielen Menschen automatisch eine gute Laune ein. Sie wirken dann glücklicher und zufriedener. Bei Personen mit einer bereits bestehenden Depression ist das oftmals anders. Ihr Gemütszustand kann sich dann besonders verstimmen, weil sie in ihrer Umgebung vermehrt glückliche Gesichter sehen und damit weniger zurechtkommen. Aus diesem Grund gehen Ärzte davon aus, dass sich eine Depression zum Frühjahr hin verstärken kann.

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