Schlafgeschichten

Tierbetten – tierisch gemütlich von bodenständig bis abgehoben

Foto: Ein zusammengerollter Nager in einem Bett aus Stroh

Dem Haustier daheim ist nichts zu fein. So denken viele Menschen bezüglich ihrer geliebten gefiederten und vierbeinigen Mitbewohner. Daraus resultiert ein Überangebot an Tierbetten, die den Tierhaltern teils unnötiges Geld abringen sollen.

Natürlich sind Haustiere keine Wildtiere und dürfen verwöhnt werden. Doch was benötigt ein komfortabler Hundekorb tatsächlich? Wie sieht ein Katzenbett aus, das das Wohlgefallen der Stubentiger gewinnt, so dass sich dieser nicht lieber in den Pappkarton, in dem der Katzenkorb geliefert wurde, legt? Von Menschenhand gefertigte Tierbetten sind vielfältiger als die Ansprüche der Tiere selbst – außer natürlich bei Katzen.

Tierbetten von Menschenhand

Die beliebtesten Haustiere der Deutschen sind Hund, Katze, Vogel und diverse Nagetiere. Der Hausbau bei Nagern ist recht einfach. Haben diese genug Streu und geeignete Versteckmöglichkeiten in Form von Wurzeln oder Rinden, erledigen sie den Rest oft allein. Natürlich können ihnen auch fertige Hütten aus diversen Materialien bereitgestellt werden. Beim Rest der Haustiere wird die Sache – aus Menschensicht – oft viel komplizierter.

Hundehöhle, Hundehütte oder Hundekorb – das Tierbett für den besten Freund des Menschen

Foto: Ein schlafender Hund in einem Hundekörbchen

Hunde gelten im Gegensatz zu den wählerischen Katzen als anspruchslose Begleiter mit treuem Gemüt. Sie sind bereits zufrieden, sobald sie die Nähe zu ihrem menschlichen Rudel haben. Ein eigener Platz gibt ihnen dennoch zusätzliche Sicherheit. Ihre Vorfahren sind bei der Wahl der Schlafstätte anspruchslos und betten sich in steinigen Höhlen oder auf weichem Waldboden. Doch dem domestizierten Gefährten möchten wir es heute möglichst angenehm und bequem machen. Das einfache Hunde-Körbchen wird mit weichen Kissen ausgestattet, damit keine Liegestellen entstehen oder auch um Arthrose vorzubeugen bzw. zu lindern. Hunde schlafen zwischen 18 bis 22 Stunden am Tag. Einige Zeit davon dösen sie nur, dazwischen ruhen sie sich aus und ab und an verfallen sie sogar in Tiefschlaf. Als Wach- und Schutztier sind selbst beim Ruhen die Sinne des Vierbeiners übermäßig geschärft. Das typische Kreisen vor dem Hinlegen entspringt einer Sicherheitskontrolle der Umgebung. Der Standort des Hundekorbs ist daher entscheidend. Geschützt in einer Ecke fühlen sich Hunde wohler als in der Mitte des Raumes. Wir Menschen schlafen auch nicht besonders gut im Durchgangszimmer oder auf einem belebten Bahnhof. Besonders geschützt fühlen sich Hunde in Höhlen. Ursprünglich wurden diese draußen als Hundehütten konzipiert, wo der Hund seiner Wachfunktion nachkommen konnte. Heute gibt es diese überdachten Tierbetten auch als kuschelige Hundehöhle für drinnen. Ein gepolsterter Hohlraum unter dem eigenen Bett kann den treuen Vierbeiner genauso glücklich stimmen. Ein Rückzugsort in der Nähe seiner Bezugspersonen – könnte es einen idealeren Platz für ein Hundebett geben? Außer natürlich noch näher: Hund im Bett gemeinsam mit den geliebten Rudelmenschen.

Tierbetten für die Katz

Foto: Ein Karton aus dem eine Katze herausragt.

Sie schlafen überall, liegend in der Schublade mit den Feinstrumpfhosen, halb herabhängend vom Kühlschrank, eingeklemmt in der Sofaritze. Nur ganz sicher nicht in einem extra für sie gekauften Katzenkorb. Außer natürlich dann, wenn Sie bereit sind, das Katzenkörbchen ungenutzt wegzuschmeißen und es zum Müll stellen. Katzen brauchen wenig: ein Katzenklo und Möglichkeiten zum Kratzen. Was nicht heißt, dass sie statt der angebotenen Kratzstellen nicht doch lieber die frisch gestrichene Wand, das neue Sofa oder den Katzenkorb nutzen und dabei zerlegen. Ganz sicher brauchen sie kein eigenes Katzenbett. Sie könnten ihnen Ihr Bett überlassen. Wollen Sie das nicht, bleiben Sie wenigstens still liegen, wenn der majestätische Stubentiger seine müden Glieder auf Ihnen ausruht. Ja, auch wenn es Sie um den Schlaf bringt und alle Gliedmaßen ertauben lässt.

Höhlen für Vögel

Foto: Ein Vogel vor dem Eingang einer Baumwurzelhöhle.

Vögel brauchen kein Bett, sie schlafen in freier Wildbahn auf Ästen. Entspannen sie sich, schließen ihre Krallen automatisch, so dass sie auch im Tiefschlaf nicht herabfallen. Höhlen und Nester benötigen Vögel hauptsächlich zur Eiablage und zum Brüten. Wünschen Sie sich Nachwuchs für Ihre gefiederten Freunde, geben Sie ihnen Materialien zum Nestbau oder die Möglichkeit, sich in eine solche Bruthöhle zurückzuziehen.

Tierbetten von Tieren für Tiere

Nicht nur Menschen konstruieren komfortable Schlafstätten, auch viele Tiere bauen Betten. Diese Tierbetten bestehen zwar nicht immer aus Bettgestell, Lattenrost, Matratze und Bettzeug, wie wir es aus unseren Schlafzimmern kennen, dennoch sind sie teilweise erstaunlich komplex.

Affenstarke Baumeister

Illustration: Ein Menschenaffe liegt in einem Bett in der Baumkrone. Er bedeckt sich das Gesicht mit einem Blatt.

Unter Affen ist der Bettenbau weitverbreitet. Der Orang-Utan tut sich dabei als wahrer Heimwerkerkönig hervor. In den wogenden Baumwipfeln bauen die Primaten das Pendant zum menschlichen Hochbett, das die bis zu 120 kg schweren Tiere tragen muss. Dazu setzen sie handwerklich hohe Maßstäbe – so wurden sogar von Affenhand gestaltete Lattenroste mit unterschiedlichen Liegezonen dokumentiert. Die Matratze fertigen die Primaten aus Blattwerk und bei Bedarf basteln sie sich aus dem gleichen Material noch Kissen und Bettdecken.

Wechseln die Deutschen im Schnitt gerade mal alle sechs Wochen ihre Bettwäsche, so sollten wir in Ehrfurcht erstarren: Der Orang-Utan konstruiert seine Schlafstätte täglich neu und schläft nur in Ausnahmefällen wiederholt im selben Bett.

Käferlos ohne Moos

Illustration: Ein Reh schläft zusammengerollt neben einem Berg aus Kissen.

Auch Rehwild baut Betten. Den Gemütlichkeitsfaktor definieren die Stirnwaffenträger jedoch etwas anders als wir Menschen. In unserer romantischen Kinderfilmerinnerung betten sich Bambi und Co. auf weichen Moosen, umringt von hohen Gräsern. Tatsächlich ist es vielmehr der harte Boden der Realität, auf dem sie sich zur Ruhe legen: Gräser, Moose und Laub werden vor dem Nickerchen beiseite gescharrt. Der kahle Waldboden bietet lästigen Parasiten weniger Unterschlupf.

Rehe schlafen ebenso wie Orang-Utans zwar in Tierbetten, jedoch niemals mehrfach im selben Bett. Da sie immer nur wenige Minuten am Stück dösen, bauen sie sich sogar täglich mehrere Betten, was angesichts der kargen Ausstattung jedoch kein großes Kunststück ist.

Da muss irgendwo ein Nest sein

Illustration: Ein Eichhörnchen verschwindet in seinen Kobel.

Nester sind die Klassiker unter den Tierbetten. Ihre grundlegende Struktur ist der von menschlichen Betten gar nicht so unähnlich. Die äußere Basis bildet ein stabiles und dennoch atmungsaktives Konstrukt aus Holz, gleichartig einem Lattenrost. Die Liegefläche ist mit weichen Materialien, wie etwa Moos, gepolstert. Die meisten Nestbewohner trennen Schlaf- und Essplatz voneinander. Keine Krümel im Bett – im Nest wird nicht gegessen! Die einzige Ausnahme bildet die Fütterung der Brut, analog zum Einschlafstillen im Familienbett.

Eine Luxusversion des Nests baut das Eichhörnchen. Dessen gemütliche Rundumbetten in luftiger Höhe sind innovative Wohn- und Schlafeinheit. Der aus Zweigen geflochtene Kobel ist außen stabil, wind- und wasserfest und innen weich mit Moosen und Blättern gepolstert. Der behände Nager baut mehrere Tage daran und besitzt bis zu acht dieser Unterschlupfe.

Bettenlos durch die Nacht

Illustration: Ein Mauersegler im Flug, er hat eine Schlafmütze und eine Schlafmaske über den Augen.

Manches Tier weiß den Komfort eines kuscheligen Betts nicht ansatzweise zu schätzen. Ob Sitzen, Liegen, Kuscheln oder eben Schlafen – wenn der Mauersegler nicht gerade brütet, landet dieser Vogel einfach nicht. Quasi ununterbrochen verbringt er sein Leben in der Luft. Das Schlafverhalten der Dauerflieger ist weitestgehend unerforscht, da sich zum Beispiel das Messen von Hirnströmen im Flug schwierig gestaltet. Vermutet wird, dass der Vogel seine Gehirnhälften abwechselnd ausruht, ähnlich dem Delfin. Sicher ist nur eins: die Unsicherheit des luftigen Betts. Gerade nachts werden vermehrt Zusammenstöße von Mauerseglern und Flugzeugen festgestellt. Bodenlose Tierbetten sind daher nicht nur der Nachtmahr eines jeden Langschläfers, sondern enden für die Vögel selbst ab und an in einem solchen Alptraum.

 

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