Schlafgeschichten

Tierbetten – tierisch gemütlich von bodenständig bis abgehoben

Foto: Ein zusammengerollter Nager in einem Bett aus Stroh

Nicht nur Menschen konstruieren komfortable Schlafstätten, auch viele Tiere bauen Betten. Diese Tierbetten bestehen zwar nicht immer aus Bettgestell, Lattenrost, Matratze und Bettzeug, wie wir es aus unseren Schlafzimmern kennen, dennoch sind sie teilweise erstaunlich komplex.

Affenstarke Baumeister

Illustration: Ein Menschenaffe liegt in einem Bett in der Baumkrone. Er bedeckt sich das Gesicht mit einem Blatt.

Unter Affen ist der Bettenbau weitverbreitet. Der Orang-Utan tut sich dabei als wahrer Heimwerkerkönig hervor. In den wogenden Baumwipfeln bauen die Primaten das Pendant zum menschlichen Hochbett, das die bis zu 120 kg schweren Tiere tragen muss. Dazu setzen sie handwerklich hohe Maßstäbe – so wurden sogar von Affenhand gestaltete Lattenroste mit unterschiedlichen Liegezonen dokumentiert. Die Matratze fertigen die Primaten aus Blattwerk und bei Bedarf basteln sie sich aus dem gleichen Material noch Kissen und Bettdecken.

Wechseln die Deutschen im Schnitt gerade mal alle sechs Wochen ihre Bettwäsche, so sollten wir in Ehrfurcht erstarren: Der Orang-Utan konstruiert seine Schlafstätte täglich neu und schläft nur in Ausnahmefällen wiederholt im selben Bett.

Käferlos ohne Moos

Illustration: Ein Reh schläft zusammengerollt neben einem Berg aus Kissen.

Auch Rehwild baut Betten. Den Gemütlichkeitsfaktor definieren die Stirnwaffenträger jedoch etwas anders als wir Menschen. In unserer romantischen Kinderfilmerinnerung betten sich Bambi und Co. auf weichen Moosen, umringt von hohen Gräsern. Tatsächlich ist es vielmehr der harte Boden der Realität, auf dem sie sich zur Ruhe legen: Gräser, Moose und Laub werden vor dem Nickerchen beiseite gescharrt. Der kahle Waldboden bietet lästigen Parasiten weniger Unterschlupf.

Rehe schlafen ebenso wie Orang-Utans zwar in Tierbetten, jedoch niemals mehrfach im selben Bett. Da sie immer nur wenige Minuten am Stück dösen, bauen sie sich sogar täglich mehrere Betten, was angesichts der kargen Ausstattung jedoch kein großes Kunststück ist.

Da muss irgendwo ein Nest sein

Illustration: Ein Eichhörnchen verschwindet in seinen Kobel.

Nester sind die Klassiker unter den Tierbetten. Ihre grundlegende Struktur ist der von menschlichen Betten gar nicht so unähnlich. Die äußere Basis bildet ein stabiles und dennoch atmungsaktives Konstrukt aus Holz, gleichartig einem Lattenrost. Die Liegefläche ist mit weichen Materialien, wie etwa Moos, gepolstert. Die meisten Nestbewohner trennen Schlaf- und Essplatz voneinander. Keine Krümel im Bett – im Nest wird nicht gegessen! Die einzige Ausnahme bildet die Fütterung der Brut, analog zum Stillen im Familienbett.

Eine Luxusversion des Nests baut das Eichhörnchen. Dessen gemütliche Rundumbetten in luftiger Höhe sind innovative Wohn- und Schlafeinheit. Der aus Zweigen geflochtene Kobel ist außen stabil, wind- und wasserfest und innen weich mit Moosen und Blättern gepolstert. Der behände Nager baut mehrere Tage daran und besitzt bis zu acht dieser Unterschlupfe.

Bettenlos durch die Nacht

Illustration: Ein Mauersegler im Flug, er hat eine Schlafmütze und eine Schlafmaske über den Augen.

Manches Tier weiß den Komfort eines kuscheligen Betts nicht ansatzweise zu schätzen. Ob Sitzen, Liegen, Kuscheln oder eben Schlafen – wenn der Mauersegler nicht gerade brütet, landet dieser Vogel einfach nicht. Quasi ununterbrochen verbringt er sein Leben in der Luft. Das Schlafverhalten der Dauerflieger ist weitestgehend unerforscht, da sich zum Beispiel das Messen von Hirnströmen im Flug schwierig gestaltet. Vermutet wird, dass der Vogel seine Gehirnhälften abwechselnd ausruht, ähnlich dem Delfin. Sicher ist nur eins: die Unsicherheit des luftigen Betts. Gerade nachts werden vermehrt Zusammenstöße von Mauerseglern und Flugzeugen festgestellt. Bodenlose Tierbetten sind daher nicht nur der Nachtmahr eines jeden Langschläfers, sondern enden für die Vögel selbst ab und an in einem solchen Alptraum.

 

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