Glossar

Die Wirbelsäule – das Rückgrat der Menschheit

Zeichnung: Wirbelsäule liegend

Die Wirbelsäule ist das tragende Knocheninstrument bei allen Wirbeltieren. Sie stabilisiert uns von Kopf bis Steißbein. In ihrem Inneren, dem Wirbelkanal, liegt das Rückenmark, das unser Gehirn mit dem peripheren Nervensystem verbindet. Die Wirbelsäule ist damit elementar für unseren gesamten Bewegungsapparat, sowohl in ihrer stützenden als auch schützenden Funktion.

Aufbau der menschlichen Wirbelsäule

Unsere Wirbelsäule besteht aus 24 freien Wirbeln. Dazwischen verbinden 23 elastische Bandscheiben die einzelnen Wirbel zu einer beweglichen Tragstütze. Von oben nach unten gliedert sich die Wirbelsäule in fünf Abschnitte mit unterschiedlichen Funktionen und abweichendem Aufbau:

1. Die Halswirbelsäule

Illustration: Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule besteht unabhängig von der Halslänge aus sieben Wirbeln. Sie ist der beweglichste Teil unserer Wirbelsäule. Eine gesunde Halswirbelsäule weist einen leichten Bogen nach vorn auf, der bei der Wahl des Kissens Beachtung finden sollte.

Der erste Halswirbel, der Atlas, ist nach dem Weltenträger aus der griechischen Mythologie benannt. Nicht grundlos, denn er ist mit dem Schädel verwachsen und trägt diesen hauptsächlich. Zwischen dem ersten und dem zweiten Halswirbel, dem sogenannten Axis, liegt keine Bandscheibe. Stattdessen sind diese Wirbel mittels zweier Gelenke verbunden und teils miteinander verwachsen.

Illustration: Eine Giraffe schläft, den Kopf auf ihrem Hinterteil gelagertFun-Fact:
Von Giraffe bis Maus besitzen nahezu alle Tiere sieben Halswirbel. Diese variieren lediglich in der Größe. Von dieser Regel gibt es nur drei Ausnahmen, die hauptsächlich Faultiere treffen: Die Rundschwanzseekuh und das Zweifingerfaultier besitzen nur sechs Halswirbel. Das Dreifingerfaultier hingegen kommt mittels vier verlagerter Brustwirbel sogar auf ganze zehn Halswirbel.

2. Die Brustwirbelsäule

Illustration: Brustwirbelsäule

Den längsten Teil unserer Wirbelsäule stellt mit zwölf Wirbeln die Brustwirbelsäule dar. Sie ist im Bereich der Schultern nach hinten gebogen. Diese gesunde Wölbung sollte auch im Schlaf beibehalten werden. Andernfalls kommt es zum sogenannten Schulterklappeffekt. Eine passende Matratze muss daher im Schulterbereich angemessen nachgeben und die Schulterpartie einsinken lassen. Die Wirbel der Brustwirbelsäule sind an den Querfortsätzen über Gelenkflächen mit den Rippen verbunden. Aufgrund dieses Konstrukts ist der Rumpfbereich besonders stabil und damit auch weniger flexibel.

 

3. Die Lendenwirbelsäule

Illustration: LendenwirbelsäuleDieser Teil der Wirbelsäule trägt die höchste Last am aufrechten Gang des Menschen. Daher treten auch 90 % aller Bandscheibenvorfälle in der Lendenwirbelsäule auf. Die fünf Wirbel der Lendenwirbelsäule sind wieder nach vorne gebogen. Sie bilden damit den Beginn des zweiten S der wirbelsäulentypischen Doppel-S-Krümmung. Sowohl die Krümmung als auch die besondere Belastung und damit das erhöhte Verletzungsrisiko bedürfen einer besonderen Unterstützung dieses Bereichs. Für eine Regeneration im Schlaf sollte eine ergonomisch gute Matratze den Lordosebereich besonders gut abstützen.

 

4. Das Kreuzbein

Illustration: KreuzbeinDer keilförmige Knochen am unteren Ende der Wirbelsäule entwickelt sich durch das Zusammenwachsen von fünf ursprünglich einzelnen Wirbeln. Diese Verknöcherung eines zunächst noch flexiblen, knorpeligen Verbunds ist spätestens nach der Pubertät abgeschlossen. Das Kreuzbein markiert das Ende des Rückenmarkskanals.

 

5. Das Steißbein

Illustration: SteißbeinWie das Kreuzbein besteht auch das Steißbein des Menschen aus zu einem Knochen zusammengewachsenen Wirbeln. Es ist aus der evolutionären Rückentwicklung eines Schwanzes entstanden. Das Steißbein dient der Verankerung von Sehnen, Muskeln und Bändern, die für den aufrechten Gang benötigt werden. Zudem ist es Haltepunkt für Gelenke und Hüfte. Was auf den ersten Blick wie ein Überbleibsel unserer evolutionären Herkunft wirkt, ist also elementarer Bestandteil der Statik unseres Körpers und Grundlage für unser Vermögen zu laufen.

 

Doppel-S-Krümmung der Wirbelsäule

Illustration: Die Wirbelsäule mit Kennzeichnung der Lordose- und Kyphosebereiche

Die Wirbelsäule beim Menschen zeichnet sich durch die Doppel-S Krümmung aus. Diese Form der Wirbelsäule ermöglicht uns den aufrechten Gang, stabilisiert den Körper und dämpft Stoßbewegungen beim Gehen, Laufen und Springen. Die Doppel-S-Krümmungen sind nach ihrer Krümmungsrichtung benannt: Biegt sich die Wirbelsäule nach vorn, sprechen wir von Lordose, nach hinten gebogene Bereiche nennen sich Kyphose. Wir haben also im Hals- und im Lendenbereich eine Lordosezone, im Schulter- und Hüftbereich liegen die Kyphosezonen.

 

Ausbildung der Wirbelsäule bei Babys

Die Doppel-S-Krümmung der Wirbelsäule entwickelt sich im ersten Lebensjahr. Geboren werden Babys mit einer Totalkyphose. Das heißt, der Rücken des Kindes ist zunächst komplett gekrümmt, wie im Mutterleib. Die Kyphose flacht nach und nach durch die häufige Liegeposition zunächst ab. Die Wirbelsäule wird erst einmal gerade, was den Ansprüchen an die Lebensumstände des Kindes (häufiges Liegen) entspricht.

2. bis 6. Monat: Entwicklung der Halslordose

Zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensmonat entwickelt sich die Halslordose. Die Kinder beginnen, ihren Kopf zu heben und einen immer längeren Zeitraum eigenständig halten zu können.

Ab 7. Monat

Das Kind versucht etwa ab dem siebten Monat zu sitzen. Durch die sitzende Position wird die Wirbelsäule im Brustbereich derart belastet, dass sich nach und nach die Schulterkyphose ausbildet. Die großflächige Kyphose flacht mit dem Krabbeln ab, da die Rückenmuskulatur dabei gestärkt wird.

Achtung:
Die Muskeln, um in der sitzenden Haltung zu verbleiben, bilden sich im ersten Lebensjahr noch aus. Die Muskulatur erschlafft mit dem Einschlafen. Achten Sie daher darauf, dass Ihr Kind lediglich im Wachzustand sitzt.

Ab dem 9. Monat

Die letzte Krümmung der Wirbelsäule ist die Lendenlordose. Diese prägt sich aus, wenn das Kind beginnt, sich an Dingen hochzuziehen und das Laufen übt. Mit dem Erlernen des aufrechten Gangs ist die Ausbildung der Wirbelsäule weitgehend abgeschlossen.

Wichtig:
Illustration: Ein Kind in Seitenlage neben der MutterLassen Sie Ihr Kind sein eigenes Tempo beim Erlernen jeglicher Entwicklungsschritte finden. Setzen Sie Ihr Kind nicht auf, solange es die Sitzposition nicht selbst einnimmt. Ziehen Sie es nicht in eine stehende Haltung, weil eventuell irgendein Stichtag erreicht ist. Die Wirbelsäule kleiner Kinder ist noch sehr labil, die umliegende Muskulatur schwach. Sie können Ihr Kind zu Bewegungen animieren, mit Stimme oder Spielzeug locken. Von einer manuellen „Unterstützung“ sollten Sie der gesunden Entwicklung Ihres Kindes zuliebe jedoch absehen.