Schlafgeschichten

Nächtliches Zähneknirschen – ein Phänomen auch tagsüber

Foto: Ein Gebissmodell beißt auf eine Haselnuss. Es liegen Schalen von geknackten Nüssen darum.

Nächtliches Zähneknirschen ist weit verbreitet und läuft meist unterbewusst ab. Dabei knirschen Betroffene im Schlaf mit den Zähnen oder pressen sie zusammen. Mediziner nennen dieses Phänomen Bruxismus. Das Knirschen kann auch tagsüber auftreten und Kinder betreffen. Oft sind emotionale Belastungen der Auslöser dafür.

Was passiert bei Bruxismus?

Foto: Eine Person hält ein Gebissmodell in den Händen, das nächtliches Zähneknirschen symbolisiert.

Beim Zähneknirschen reiben und pressen Betroffene die Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer aufeinander. Nächtliches Zähneknirschen geht oft mit mahlenden oder kauähnlichen Bewegungen einher. Dabei wird ein enormer Druck auf Kiefergelenke und Zähne ausgeübt – bis zu einem Zehnfachen des Drucks, der beim Kauen entsteht. Auf Dauer führt das ständige Zähneknirschen Schäden an der Zahnsubstanz herbei und überlastet die Kiefermuskulatur. Viele Menschen knirschen vor allem im Schlaf mit den Zähnen. Tritt das Zähneknirschen nachts auf, ist die Rede von „nocturnalem Bruxismus“ oder „Schlafbruxismus“. Darüber hinaus kann Zähneknirschen tagsüber auftreten, was als „Wachbruxismus” bezeichnet wird. Stehen Betroffene unter starker Anspannung, knirschen oder pressen sie dabei unbewusst ihre Zähne.

Derzeit ist das Krankheitsbild noch nicht ausreichend erforscht. Bisher liegen nur wenige aussagekräftige Studien zu Bruxismus vor. Fest steht: Zähneknirschen ist nach aktuellem Erkenntnisstand nicht heilbar. Jedoch werden spezielle Methoden zum Schutz der Zähne und zur Schmerzlinderung angewendet.

Ursachen und Risikofaktoren für Bruxismus

Foto: Ein großer Haufen zerknülltes Papier, oben ragt eine Hand heraus.

Die Ursachen für das Zähneknirschen beim Schlafen und tagsüber im Wachzustand sind nicht eindeutig geklärt. Neben körperlichen Faktoren, wie beispielsweise einer Zahnfehlstellung, gehört emotionaler Stress zu den häufigsten Ursachen für Bruxismus. Genauer genommen handelt es sich dabei um eine ungünstige Stressverarbeitung, wobei Knirschen mit den Zähnen als eine Art emotionales Entlastungsventil dient. Nächtliches Zähneknirschen tritt vor allem während der REM-Phase auf. In diesem Schlafstadium träumen wir und rekapitulieren dabei Geschehnisse vom Tag, die nebenbei vom Gehirn verarbeitet werden.

Laut einer Studie stehen einige Faktoren besonders mit dem Auftreten von Bruxismus in Zusammenhang. Als Risikofaktoren für Bruxismus gelten unter anderem Erkrankungen wie Schlafapnoe oder das Restless-Legs-Syndrom, Angststörungen und Depressionen. Nebenwirkungen von Medikamenten oder der Konsum von Drogen, Tabak, Alkohol sowie übermäßiger Genuss koffeinhaltiger Getränke verstärken das Risiko für nächtliches Zähneknirschen.

Nächtliches Zähneknirschen bei Kindern

Foto: Ein schlafendes Kind liegt zugedeckt im Bett.

Wenn Kinder mit den Zähnen knirschen, liegen die Gründe entweder in einer Zahnfehlstellung oder in psychischen Belastungen. Bei Kindern, die regelmäßig mit offener Tür oder eingeschaltetem Licht schlafen wollen oder im Schlaf reden tritt nächtliches Zähneknirschen häufiger auf. Spätestens ab sechs Jahren sollte mit dem Zähneknirschen Schluss sein. Ist dies nicht der Fall, sollten Eltern umgehend einen Zahnarzt oder Kieferorthopäden aufsuchen, um die Ursache abzuklären und dem Phänomen entgegenzuwirken.

Wenn Babys mit den Zähnen knirschen

Nächtliches Zähneknirschen ist bei Babys und Kleinkindern zwischen dem achten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr ein ganz natürliches Entwicklungsphänomen. Es handelt sich dabei nicht um psychische oder stressbedingte Ursachen. Während dieser Phase brechen die ersten Milchzähne durch und wachsen in die Mundhöhle hinein. Das Zähneknirschen ist ein notwendiger Schleifprozess, damit sich die Zahnreihen aneinander anpassen. Zahnärzte sprechen hierbei auch vom „Einbeißen der Zähne“.

Zähneknirschen und dessen Folgen

Foto: Im Vordergrund sitzt eine Frau, die sich die Schläfe reibt. Im Hintergrund sitzt ein Arzt.

Nächtliches Zähneknirschen birgt eine Reihe von Gesundheitsrisiken. So wird eine rasche Abnutzung der Zähne begünstigt, wobei sie extrem empfindlich werden können. Früher oder später machen sich körperliche Beschwerden bemerkbar: Betroffene leiden oft unter Kieferschmerzen, die bis in Kopf und Ohren ausstrahlen können. Kopfschmerzen sind häufig die Folge davon. Durch die starke Anspannung der großen Kiefermuskeln kommt es zu Druck auf den Ohren, Tinnitus oder Nackenschmerzen. Beim Kauen harter Speisen entstehen typischerweise Schmerzen im Kieferbereich. Bruxismus ist ein Risikofaktor für das Auftreten von Funktionsstörungen und Schmerzen im Kausystem, den sogenannten kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD).

Viele Betroffene können die Symptome zunächst nicht genau einordnen. Bei einer zahnärztlichen Kontrolluntersuchung kann der Arzt typische Anzeichen für Bruxismus eventuell schon leicht erkennen. Hierzu zählen Abrasionserscheinungen an den Zähnen. Hinweise kann auch ein Screening liefern.

Therapie gegen Zähneknirschen

Da es derzeit noch keine Heilung für Bruxismus gibt, stützt sich die Behandlung in erster Linie auf die Schmerzlinderung und die Vorbeugung weiterer Schäden an den Zähnen. Häufig verschreibt der Zahnarzt eine Aufbiss- oder Zahnschiene, die gegen nächtliches Zähneknirschen zum Einsatz kommt. In einigen Fällen werden solche Schienen auch Wachbruxismus-Patienten verschrieben, die dann tagsüber getragen werden müssen.

Foto: Ein Mann legt sich eine Zahnschiene gegen nächtliches Zähneknirschen für die oberen Zähne ein.

Die Okklusionsschiene ist die häufigste Variante, die dem Patienten als Sofortmaßnahme für die Nacht verschrieben wird. Dabei wird die Schiene vor dem Schlafengehen eingesetzt. Sie verhindert das Knirschen nicht, sorgt aber dafür, dass die Zahnreihen vor weiteren Abnutzungen geschützt sind. Darüber hinaus gibt es aber auch spezielle Schienen, welche die Kiefergelenke und -muskulatur zusätzlich entlasten und das Zähneknirschen abmildern sollen. Solche Schienen sind allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Begleitend sollten Betroffene selbst aktiv werden und eine bessere Stressbewältigung anstreben. Ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft und sportliche Aktivitäten können Spannungen abbauen und gegen Zähneknirschen helfen. Bei schwerwiegenden oder langanhaltenden emotionalen Belastungen sollte allerdings unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Zudem ist ausreichender und erholsamer Schlaf wichtig. Halten Sie bei Schlafproblemen stets eine Schlafroutine ein und verzichten Sie vor dem Zubettgehen auf schwere Mahlzeiten sowie Alkohol-, Tabak- und Koffeinkonsum.

Selbsthilfe bei Wachbruxismus

Wachbruxismus kann bereits durch eigene Verhaltensmaßnahmen gemindert werden. Hilfreich ist die sogenannte SMS-Therapie, die sich aus den drei Säulen Selbstbeobachtung, Muskelentspannung und Schienentherapie zusammensetzt.

Die Selbstbeobachtung dient dazu, dem Betroffenen seine Knirschaktivitäten bewusst zu machen. Auf diese Weise soll das Verhalten möglichst von selbst abgewöhnt werden. Dazu werden farbige Aufkleber an Gegenständen der eigenen Umgebung, die man ständig im Blickfeld hat, angebracht. Dies kann beispielsweise der Monitor für den Computer sein oder die Armbanduhr am Handgelenk. Wird der farbige Punkt wahrgenommen, ist sofort die Zahnstellung zu kontrollieren. Normalerweise sollten sich die Zähne bei geschlossenem Mund nicht berühren. Ertappen sich Betroffene dabei, wie sie in diesem Moment die Zähne zusammenpressen, wird der Mund weit geöffnet und entspannt wieder geschlossen. Die Zähne werden dabei auseinandergehalten.

Foto: Eine Frau klebt einen gelben Klebezettel auf einen Laptop.

Bei der Muskelentspannung werden Entspannungstechniken erlernt und täglich durchgeführt. Dadurch soll eine verbesserte Stressbewältigung und ein Entspannen der Kiefermuskulatur erzielt werden. Geeignete Techniken sind autogenes Training, Imaginationsübungen oder progressive Muskelrelaxation. Die Techniken tragen außerdem zu einer Verbesserung des Allgemeinbefindens bei. Kopfschmerzen und Verspannungen können auf diese Weise gelindert werden.

 

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