Ratgeber

Diagnose im Schlaflabor – Schlafen unter Beobachtung

Foto: Im Vordergrund ein Monitor mit einem 3D-EEG. Im Hintergrund eine Frau mit EEG-Haube.

Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schlafstörungen – Tendenz steigend. Die Gruppe der Erwerbstätigen ist besonders von Insomnie, der Störung des Ein- und Durchschlafens, betroffen. Permanenter Zeitdruck, Schichtarbeit oder ständige Arbeitsbelastung sind nur einige Gründe für die nächtliche Unruhe. Die Folgen sind eine verringerte Leistungsfähigkeit, Konzentrationsprobleme, Erschöpfung und Tagesmüdigkeit. Vielen Menschen helfen bereits einfache Verhaltensänderungen, um wieder zu erholsamem Schlaf zu finden. Bleibt eine Schlafstörung über längere Zeit unbehandelt, kann sie zu gesundheitlichen Problemen führen. Das Immunsystem wird geschwächt und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen steigt. Sind die Möglichkeiten der ambulanten Behandlung von Schlaflosigkeit ausgeschöpft, rät der Arzt in letzter Instanz zu einer Untersuchung im Schlaflabor. Im Schlaflabor wird mit großem Aufwand der Schlaf analysiert.

Das Schlaflabor

Meist als Teil einer Klinik wird das Schlaflabor zu Forschungszwecken und zur Diagnose von Schlafstörungen betrieben. Dabei handelt es sich um ein oder mehrere Einzelzimmer mit angrenzendem Kontrollraum, in dem die Schlafüberwachung stattfindet. Das Einzelzimmer ist wohnlicher eingerichtet als ein klassisches Krankenzimmer, damit sich der Patient wie zu Hause fühlt und das Schlafverhalten von der räumlichen Umgebung möglichst unbeeinflusst bleibt.

Ab wann habe ich eine Schlafstörung?

Hin und wieder schläft jeder mal schlecht. Aber wann handelt es sich um eine Schlafstörung? Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat folgende Kriterien zur Diagnose von Schlafstörungen festgelegt.

  1. Foto: Im Anschnitt ist ein Wecker zu sehen. Der Wecker zeigt drei Uhr nachts an. Unscharf im Hintergrund erkennt man eine Frau, die mit offenen Augen auf einem Kissen liegt. Der Patient klagt über Einschlafstörungen oder eine schlechte Schlafqualität.
  2. Die Schlafprobleme treten mindestens dreimal pro Woche und einen Monat lang auf.
  3. Nachts ist der Patient überwiegend mit der Schlafstörung beschäftigt. Tagsüber sorgt er sich in übertriebener Weise wegen möglicher Konsequenzen der Schlafstörung.
  4. Die unbefriedigende Schlafdauer und/oder Schlafqualität verursacht einen deutlichen Leidensdruck oder wirkt sich störend auf die soziale und berufliche Leistungsfähigkeit aus.

Von einer Einschlafstörung spricht man, wenn der Schlafende mehr als eine halbe Stunde zum Einschlafen benötigt. Ebenso gehen Mediziner von einer Durchschlafstörung aus, wenn man nach einem Erwachen in der Nacht mehr als eine halbe Stunde zum Einschlafen braucht.

Schlafhygiene statt Schlaflabor

Eine gesunde Schlafhygiene fördert erholsamen Schlaf. Mit einfachen Verhaltensregeln können Sie Ihre Schlafhygiene verbessern:

Regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus angewöhnenIllustration: Zwei Uhren. Eine Uhr ist überschrieben mit Nachtschlaf und gibt die Schlafdauer von 6 bis 9 Stunden an. Die zweite Uhr trägt die Überschrift Nickerchen und zeigt die maximale Dauer von 30 Minuten für einen kurzen Mittagsschlaf an.

Gehen Sie nach Möglichkeit immer zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie morgens zur gleichen Zeit auf. Gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Schlaf. Schlafen Sie nicht zu kurz oder zu lang. Wenn Sie ein Nickerchen halten möchten, schlafen Sie nicht länger als eine halbe Stunde. Kurz vor dem Schlafengehen sind große, schwere Mahlzeiten, Alkohol, Rauchen und intensiver Sport tabu.

Koffeinempfindliche: Hände weg vom AbendkaffeeIllustration: Piktogramm einer durchgestrichenen Kaffetasse. Darunter steht das Wort: Koffein.

Die anregende Wirkung von Koffein hält mehrere Stunden an – diese setzt in der Regel, jedoch erst 20 Minuten nach Verzehr ein. Vor Ablauf dieses Zeitfensters kann Koffein durch eine bessere Durchblutung der relevanten Bereiche im Gehirn sogar schlaffördernd wirken.

Maß halten und ruhig hinabgleiten

Illustration: Sechs Piktogramme, die das richtige Verhalten vor dem Schalfen erklären. Die ersten drei Piktogramme beschreiben leichtes Essen, einfache Bewegung und Yoga als positiv. Die anderen drei Piktogramme zeigen durchgestrichen schweres Essen, Leistungssport und Fernsehen sowie Smartphone als negativ.Schwere Mahlzeiten wirken sich negativ auf den Schlaf aus. Gehen Sie aber auch nicht hungrig ins Bett. Eine kleine, leichte Mahlzeit ist in Ordnung. Statt mit Leistungssport Ihren Kreislauf in den Wachmodus zu versetzen, probieren Sie es mit einem ruhigem Spaziergang oder Yoga. Leichte Bewegung am Abend kann sich positiv auf die Nachtruhe auswirken.

 

Tipp
Richten Sie Ihr Schlafzimmer gemütlich ein – schaffen Sie einen Ort der Ruhe. Sorgen Sie für ausreichend Abdunklung und vermeiden Sie Lichtquellen wie zu helle Wecker-Displays. Ein Fernseher gehört nicht ins Schlafzimmer. Legen Sie Ihr Smartphone einige Zeit vor der Nachtruhe aus der Hand. Sorgen Sie für Entspannung vor dem Zubettgehen und lassen Sie diese zur Routine werden.

Dem Schlaf auf den Grund gehen

Die Ursachen für eine Schlafstörung können vielfältig sein. In schweren Fällen mit deutlicher Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit oder bei Verdacht auf eine organisch bedingte Schlafstörung, wie zum Beispiel dem Schlafapnoesyndrom, werden die Patienten an ein Schlaflabor überwiesen. Nur in einer solchen Einrichtung mit den umfangreichen diagnostischen Möglichkeiten der Polysomnographie kann die Ursache der Schlafstörung zweifelsfrei festgestellt werden. Aber auch beim Schlafwandeln, bei Einschlafzuckungen oder der Vermutung auf Fehlwahrnehmung des Schlafzustandes durch den Betroffenen selbst wird eine Analyse des Schlafes im Schlaflabor verordnet. Die Polysomnographie ist eine sehr gründliche medizinische Untersuchung, die unterschiedliche Messungen und Verfahren kombiniert. Der Schlafmediziner erhält einen sehr genauen Überblick über die Körperfunktionen und Körpersignale, die Rückschlüsse auf den Schlafverlauf, die Schlaftiefe und die Schlafqualität zulassen. Der Schlafmediziner entscheidet, welche der folgenden Verfahren bei der Polysomnographie im Schlaflabor angewendet werden: Illustration: Eine Person, an der die Stellen markiert und entsprechend bezeichnet sind, an denen Sensoren sitzen und Messwerte für eine Polysomnografie genommen werden.

Die Hirnaktivitäten werden mit einem Elektroenzephalografen, kurz EEG, aufgezeichnet.

      • Das Elektrokardiogramm (EKG) dient der Dokumentation der elektrischen Impulse des Herzens.
      • Das Elektromyogramm (EMG) zeigt die elektrische Muskelaktivität auf, die an Beinen und Kinn gemessen wird.
      • Die Elektrookulographie (EOG) misst die Augenbewegung.
      • Die Pulsoxymetrie ist eine nichtinvasive Messung des Sauerstoffgehalts des Blutes an Finger oder Ohr.
      • Die Atmung an Nase und Mund sowie die Atmungsbewegung an Brust und Bauch werden dokumentiert.
      • Die Körpertemperatur wird gemessen.
      • Die Körperlage und -bewegung werden per Videoaufzeichnung überwacht.
      • Schnarchen oder Sprechen im Schlaf werden durch Tonaufnahmen registriert.
      • Der Blutdruck wird regelmäßig gemessen.
      • Der Magensäurerückfluss wird beobachtet.
      • Der Druck der Atemmaske wird kontinuierlich überwacht.

Aus den gewonnenen Daten wird ein Schlafprofil, ein sogenanntes Polysomnogramm, des Patienten erstellt. Am nächsten Tag stellt der Schlafmediziner die Diagnose. Tagsüber können weitere Untersuchungen stattfinden. Eine geeignete Therapie wird in der Regel bereits in der zweiten Nacht angewendet und zur Feinabstimmung überwacht. Viele Patienten erleben im Schlaflabor ihre erste gute Nacht seit Langem.

Die kurze Geschichte des Schlaflabors

Foto: Auf einem Tisch in einer Bibliothek liegen mehrere Bücher. In der Mitte liegt ein aufgeschlagenes Buch, auf dem ein Stethoskop liegt.Um 1860 ließen Versuche des Mediziners Ernst Kohlschütter mit einem akustischen Wecksignal den Schluss zu, dass der Schlaf in Abhängigkeit von der Schlafdauer unterschiedlich tief ist. Damit widerlegte er die bis in die Antike zurückreichende Vorstellung, dass sich das Gehirn während des Schlafes in einem Ruhezustand befinde, der stets gleichmäßig abliefe. 1925 richtete Nathaniel Kleitman zur Erforschung des Schlafes an der Universität von Chicago in den USA das erste Schlaflabor ein. Rund 30 Jahre später verhalf die Entdeckung des REM-Schlafes durch Kleitman und seines Doktoranten Aserinsky der Schlafforschung zum Durchbruch. Aus den gewonnenen Erkenntnissen etablierte sich die Schlafmedizin. Das erste Schlaflabor zur Diagnostik und Behandlung von Schlafstörungen in Deutschland entstand 1970 in der Neurologischen Klinik des Hessischen Diakoniezentrums Hephata. Inzwischen zählt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) über 320 im gesamten Bundesgebiet verteilte Schlaflabore.