Ratgeber

Hausstaubmilben – die unerwünschten Untermieter

Foto: Ein Knäuel aus Haaren und Staub - ideale Lebensgrundlage für Hausstaubmilben

In jeder Wohnung sind Hausstaubmilben anzutreffen. Die kleinen Spinnentiere leben in Polstern, Kissen, Matratzen und im Hausstaub. Auf die Vorliebe für menschliche Hautschuppen geht ihr wissenschaftlicher Name Dermatophagoides zurück, der sinngemäß mit „Hautfresser“ übersetzt werden kann. Hautschuppen finden die Hausstaubmilben zur Genüge in unserem Bett.

Haustier wider Willen

Illustration: Ein Schlafzimmer. Grafiken von Hausstaubmilben kennzeichnen die beliebten Zufluchtsorte der Tiere: Matratze, Vorhänge, Kissen, Teppich und unter dem Bett.Hausstaubmilben gehören zur Gattung der Milben, einer Unterklasse der Spinnentiere. Sie erreichen eine Größe von maximal 0,5 mm und haben eine helle, fast glasige Haut, so krabbeln sie unerkannt über unsere Matratzen, Teppiche und Sofas. Dabei dringen sie auch in die Polster der Sitzmöbel ein. Mit bloßem Auge lassen sich die Winzlinge nicht beobachten. Sie leben bevorzugt in der Nähe von Menschen, da abgelöste Hautschuppen zu ihrer Leibspeise gehören. Daneben stehen gelegentlich Schimmelpilze und ausgefallene Haare auf der Speisekarte der kleinen Hautfresser. In warmen Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit gedeihen die Hausstaubmilben besonders gut. Jeder Mensch gibt im Schlaf rund einen Viertelliter Wasser über Schweiß und Atemluft ab. Etwa die Hälfte des Wassers wird von der Matratze aufgenommen, daher leben die meisten Milben in unserem Bett. Rund zwei Millionen Hausstaubmilben in einer Matratze sind keine Seltenheit. Die bloße Vorstellung mag ekelerregend sein, jedoch sind Hausstaubmilben für die meisten Menschen völlig harmlos. Die Lebenserwartung von Hausstaubmilben beträgt in der Regel 30 bis 100 Tage. In dieser Zeit legen die Weibchen bis zu 80 Eier. Selbst unter ungünstigen Lebensbedingungen können Hausstaubmilben mehrere Tage bis Wochen überstehen.

Keine Frage mangelnder Hygiene

Hausstaubmilben sind seit Urzeiten in menschlichen Behausungen anzutreffen, so auch heutzutage in unseren Wohnungen. Egal, wie gründlich wir putzen, Hausstaubmilben lassen sich nie vollständig beseitigen. Zudem schleppen wir über unsere Kleidung weitere Milben ein. Eine neue Matratze ist milbenfrei, wird aber bereits nach wenigen Tagen von Hausstaubmilben bevölkert. Zum Beispiel tragen wir unbemerkt die kleinen Tiere vom Sofa ins Bett, wo sie ihren Weg auf die Matratze sowie ins Kissen und die Bettdecke finden.

Hausstaubmilben als Allergieauslöser

Foto: Eine Frau putzt sich die Nase.Hausstaubmilben sind im Grunde unbedenklich für Menschen. Jedoch enthält der abgesonderte Kot der Milben Substanzen, die bei einigen Menschen zu allergischen Reaktionen führen. Milbeneier und Reste verstorbener Tiere wirken ebenfalls allergen. Etwa 8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Hausstaubmilbenallergie. Bleibt eine solche Allergie über Jahre unbehandelt, kann das bei einem Großteil der Betroffenen zu Asthma führen.

Hausstaubmilben bekämpfen

Linderung für Allergiker wird in erster Linie durch die Beseitigung der allergenhaltigen Ausscheidungen der Milben erreicht. Um die Allergenbelastung dauerhaft gering zu halten, muss die Population der Hausstaubmilben im Bett und den Polstermöbeln dezimiert werden. Viele Maßnahmen, die für sich allein genommen wenig bewirken, eignen sich in Kombination gut zur Reduzierung der Allergenkonzentration.

Illustration: Eine Frau streckt sich auf ihrer Matratze. Im Raum symbolisieren Pfeile das Lüften des Schlafzimmers. Daneben ein Hygrometer.Sorgen Sie im Schlafzimmer für ein milbenunfreundliches Klima: Reduzieren Sie die Temperatur leicht unter 20 °C und die relative Luftfeuchtigkeit unter 60 %. Tägliches Lüften des Zimmers, der Matratze und Bettwäsche hilft ebenso dabei. Ein solches Raumklima hemmt die Hausstaubmilben in ihrer Entwicklung und Vermehrung. Partikeldichte Schutzbezüge, sogenannte Encasings, für die Matratze, Bettdecke und das Kissen können als Barriere für die Milben und den Milbenkot verwendet werden. Reinigen Sie die Bettwäsche alle 14 Tage und den abnehmbaren Matratzenbezug sowie Kissen und Decken zwei- bis dreimal im Jahr bei mindestens 60 °C. Erst bei dieser Temperatur werden die Hausstaubmilben abgetötet und die Allergene effektiv entfernt. Lassen Sie zusätzlich einmal pro Jahr Ihre Matratze professionell reinigen. In Ihrer Kleidung sammeln sich über den Tag viele Hautschuppen. Damit diese den Milben nicht als Futter dienen, sollten Sie sich nicht im Schlafzimmer entkleiden. Verzichten Sie zudem auf Teppiche, Zimmerpflanzen und Plüschtiere.

Foto: Auf einem grauen Teppich steht ein roter Staubsauger. Im Hintergrund ist eine Wohnzimmereinrichtung zu erkennen.Im Wohnzimmer stellen Hausstaubmilben ein geringeres Problem dar, dennoch sollten Sie auch hier den Allergieverursachern den Kampf ansagen. Halten Sie durch tägliches Lüften die relative Luftfeuchtigkeit unter 60 %. Saugen Sie Teppiche und Polstermöbel regelmäßig und gründlich ab. Verwenden Sie dazu einen Staubsauger mit HEPA-Filter, der die Verteilung der Allergene in der Raumluft verhindert. Harte Böden sollten Sie wöchentlich feucht wischen. Verzichten Sie auf Staubfänger und Bücher in Regalen oder schützen Sie diese in Schränken mit Türen vor Staub.

Nicht alle aufgeführten Punkte lassen sich von Hausstauballergiegeplagten gleichermaßen umsetzen. Je mehr Maßnahmen angewendet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, beschwerdefrei zu leben. Bei konsequenter Berücksichtigung solcher Ratschläge ist etwa die Hälfte aller Allergiker frei von den typischen Symptomen wie Husten und tränenden Augen, so die Meinung aus Fachkreisen. Einen Facharzt sollten Sie dennoch konsultieren, um auszuschließen, dass die Symptome keine andere Ursache haben.

Spray gegen Hausstaubmilben sinnvoll?

Foto: Putzmittel und Gummihandschuhe auf einer weißen TischplatteIm Handel werden chemische Mittel zur Bekämpfung von Hausstaubmilben angeboten. Allerdings ist deren Wirksamkeit fragwürdig. Teebaum- und Neemöl werden oft als Naturheilmittel gegen Hausstaubmilben angeführt. Aus diesen Pflanzenölen lässt sich ein Hausstaubmilben-Spray herstellen, mit dem sich die Milben abtöten lassen sollen. Dazu werden die Matratze und das Bettzeug mit dem Spray behandelt. Die Wirksamkeit dieser Pflanzenöle gegen Bakterien, Schimmel und Insekten, darunter auch Milben, ist belegt. Dennoch konnte in Studien kein positiver Effekt im Zusammenhang mit der Hausstaubmilbenallergie festgestellt werden. Des Weiteren sind die Risiken und Nebenwirkungen der pflanzlichen Öle nicht zu unterschätzen. Neben dem starken Eigengeruch kann Teebaumöl in höherer Konzentration bei Hautkontakt Allergien und Ekzeme verursachen. Auf Haustiere wirkt Teebaumöl toxisch.

Schon gewusst?
Jeder Mensch verliert pro Tag etwa 1-2 g Hautschuppen. Von 1 g Hautschuppen ernähren sich eine Million Hausstaubmilben für ca. 1 Woche. Ca. 0,3 Liter Wasser geben wir in der Nacht über den Atem und durch Schweiß ab. Davon wird etwa die Hälfte von der Raumluft aufgenommen, die andere Hälfte sammelt sich im Bettzeug und in der Matratze. Daher finden Hausstaubmilben im Bett ein ideales Klima zum Leben und vermehren sich dort besonders gut. Verwenden Sie eine Matratze mit guten Eigenschaften in puncto Schlafklima und Atmungsaktivität, um die Milbenpopulation kleinzuhalten. Aber auch in Büchern nisten sich Hausstaubmilben gerne ein. Der Bücherskorpion und das Silberfischchen sind natürliche Feinde der Hausstaubmilbe. Aber zur Bekämpfung der Milben in der eigenen Wohnung oder sogar im Bett will man sie gewiss nicht einsetzen.

Behandlung der Hausstaubmilbenallergie

Einer medizinischen Behandlung der Hausstaubmilbenallergie sollten grundsätzlich die Bekämpfung der Milben und damit die Reduzierung der allergenen Stoffe vorausgehen. In vielen Fällen führt das bereits zu einem verbesserten Befinden oder beseitigt die Beschwerden ganz. Reicht das nicht aus, mildern kurzfristig Medikamente die Symptome der Allergie. Langfristig hilft Allergikern eine spezifische Immuntherapie – auch Hyposensibilisierung genannt. Die Therapie setzt direkt bei der Ursache der Allergie an. In einem Zeitrahmen von rund drei Jahren bekommt der Betroffene die Allergene, die seine Beschwerden verursachen, verabreicht. Der Körper soll sich so an die vermeintlich gefährlichen Substanzen gewöhnen. Ist das erfolgreich, bildet das Immunsystem weniger Antikörper, die die allergische Reaktion hervorrufen. Die Symptome treten nur noch deutlich abgeschwächt oder gar nicht mehr auf. Ein langfristiger Erfolg der Hyposensibilisierung kann allerdings nicht in jedem Fall garantiert werden.