Schlafgeschichten

Schlafen im Weltraum

Foto: Blick durch ein Raumschifffenster auf die Erdoberfläche

Ein Traum der Menschheit ist es, ins Weltall zu fliegen. Doch auch heute noch, über 50 Jahre nachdem Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betreten hat, ist dieses Erlebnis nur wenigen Privilegierten vorbehalten. In die Welt der Raumfahrt können wir trotzdem eintauchen, denn es gibt neben zahlreichen Videos ebenso viele interessante Erkenntnisse, die Raumfahrtbehörden wie die NASA der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Astronauten schlafen? Wenn alltägliche Dinge wie die Körperhygiene und das Essen zur Herausforderung werden, ist auch das Schlafen im Weltraum nicht ganz ohne.

Sport und Schlaf – der Alltag eines Astronauten

Astronauten absolvieren jahrelange Trainings und Simulationen, um bei ihrer Mission für den Ernstfall gewappnet zu sein. Schließlich haben Astronauten jenseits der Hemisphäre lange und anstrengende Arbeitstage vor sich, in denen nur wenig Zeit für die Nachtruhe bleibt. Sie verfolgen Forschungsaufgaben, warten und reparieren die Raumstation. Hinzu kommen mindestens zwei Stunden tägliches Fitnesstraining. Das ist erforderlich, damit die Astronauten Muskel- und Knochenschwund vorbeugen, den der längere Aufenthalt in Schwerelosigkeit zur Folge hat. Eine erholsame Nacht hat sich also wohl jedes Besatzungsmitglied einer Raumstation verdient. Schlafen im Weltraum ist damit elementarer Bestandteil jeder erfolgreichen Mission ins All.

Der Tag-Nacht-Rhythmus beim Schlafen im Weltraum
Blick aus dem Weltall: Die Erdoberfläche ist zu sehen, darüber die dunklen Weiten des Alls mit unzähligen Sternen

Was bedeutet eigentlich „Nacht“, wenn es immer dunkel ist wie im All? Auf der Internationalen Raumstation ISS geht die Sonne an einem Tag 16 Mal auf und wieder unter. Alle 90 Minuten, um genau zu sein, denn so lange dauert es, bis die ISS einmal die Erde umkreist hat. Der Tag-Nacht-Rhythmus wirkt von der ISS aus betrachtet, als ob jemand ständig das Licht an- und ausknipsen würde. Deshalb schlafen Astronauten, ihrem Rhythmus auf der Erde entsprechend, entweder mit Augenmasken oder in abgedunkelten Schlafkabinen.

Zum Schlafen hinlegen in der Schwerelosigkeit

Illustration: Ein Astronaut auf einer Raumstation in einem SchlafsackDas Schlafen im Weltraum, in der Schwerelosigkeit, klingt komfortabel, ist es aber in der Praxis meist nicht. Es gibt sowohl für die Astronauten als auch für ihr Umfeld eine Menge zu beachten. Wichtig ist, dass die Astronauten nicht frei durch die Raumstation schweben, während sie schlafen. Obwohl das Verletzungsrisiko gering ist, da sie im Schlaf sanft und langsam umher schweben würden, könnten sie doch gegen Wände und Instrumente stoßen und dabei ungewollt Schalter umlegen. Um dieses Risiko auszuschließen, schlafen Astronauten in leichten Schlafsäcken, die an der Bord- oder Kabinenwand befestigt sind.

„Am Anfang wusste ich nicht, wie ich da schlafen soll“, erzählt der russische Kosmonaut Saljotin (04.07.2013, Hannoversche Allgemeine). Auf der Erde liege er entweder auf der rechten oder auf der linken Seite – aber ohne Schwerkraft könne man nicht liegen. Nach einiger Zeit habe er herausgefunden, dass er sich im Campingsack wie ein Embryo zusammenrollen kann. Mittlerweile findet er den Schlaf im Weltraum sehr erholsam. „Ich liebe das“, sagt er.

Perfekte Ergonomie ohne Gravitation

Ein schöner Effekt des Schlafens in der Schwerelosigkeit ist, dass alle Gelenke ihre „Neutralstellung“ einnehmen. Diese Körperhaltung ist ein angenehmer Balance-Punkt zwischen Streckung und Beugung und betrifft alle Gelenke von den Fingern bis zu den Zehen. Auf der Erde lässt sich diese Neutralstellung am besten im Schwimmbad simulieren, wo die Muskeln sich entspannen und scheinbar schwerelos im Wasser treiben. Beim Schlafen im Weltraum wird keine Körperpartie übermäßig belastet oder zu wenig gestützt.

Ausreichende Belüftung in der SchlafkojeFoto: Ein Ventilator aus der Vogelperspektive

Eine gute Sauerstoffversorgung ist für einen erholsamen Schlaf überaus wichtig, weshalb man sein Schlafzimmer regelmäßig lüften sollte. Für Astronauten ist die ausreichende Ventilation ihrer Schlafkojen sogar überlebensnotwendig. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie das selbst ausgeatmete Kohlendioxid sofort wieder einatmen und nach Luft schnappend aufwachen.

Schlafen im Weltraum ganz ohne Schnarchnasen

Nachgewiesenermaßen hat die Schwerkraft einen Einfluss auf das Schnarchen. Wenn sich unsere Mund- und Rachenmuskulatur im Schlaf entspannt, ist es die Schwerkraft, die die Zunge und den weichen Gaumen in den Rachen fallen lässt. In der Schwerelosigkeit findet diese Verengung des Atemkanals nicht statt, weshalb Astronauten im All weniger schnarchen als auf der Erde. „Also, wenn Sie nachts gut schlafen möchten und Ihr Partner schnarcht, können Sie ihn ja in den Orbit schicken.“, rät der auf Weltraummissionen spezialisierte Bordarzt, Dr. J. D. Polk.

Wo es sich besser schläft

Trotz aller Bemühungen, das Schlafen im Weltraum für Astronauten so komfortabel wie möglich zu gestalten, schlafen wir auf der guten, alten Erde anscheinend besser als im All. Laut einer Studie des Fachmagazins „The Lancet Neurology“ schlafen Astronauten im Weltall im Durchschnitt nur circa sechs Stunden pro Nacht. Die von der NASA vorgeschriebene Ruhezeit von 8 1/2 Stunden wird damit stark unterschritten und die Schlafphasen werden nicht ausreichend durchlaufen. Wissenschaftler vermuten, dass – neben der gewöhnungsbedürftigen Schwerelosigkeit – Geräusche und das Kühlsystem an Bord einer Raumfähre dafür sorgen, dass Astronauten im All unruhiger schlafen.

Das Schlafen unterm Sternenhimmel scheint weitaus erholsamer als mittendrin.

 

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